„Es geht um die Liebe zum Fußball“ – Merlin Polzin vor Dortmund

Der Hamburger SV steht vor einer der größten Herausforderungen der Saison. Am Sonnabend gastieren die Rothosen bei Borussia Dortmund – eine Aufgabe, die für Trainer Merlin Polzin „ein absolutes Brett“ darstellt. Dennoch reist der HSV mit Selbstvertrauen und klarer Idee ins Ruhrgebiet.

Abwehr: Capaldo fällt aus – sonst alle an Bord

Personell bleibt die Lage überschaubar. Nicolas Capaldo wird erneut ausfallen, nachdem er nach zunächst positivem Verlauf erneut Beschwerden der Bauchmuskulatur verspürte. Ansonsten kann stehen Polzin alle weiteren Verteidiger zur Verfügung. Voraussichtlich wird daher erneut Warmed Omari auflaufen, den der Coach vor allem für seine vertikalen Pässe lobte.

Offensive zuletzt zu harmlos? Polzin fordert bessere Entscheidungen

In den vergangenen Wochen fehlte dem HSV stellenweise die Durchschlagskraft und Tiefe im Offensivspiel. Für Polzin ist die Analyse jedoch differenzierter. Er betont, dass die Mannschaft insgesamt viele gute Leistungen gezeigt habe – auch unabhängig von einzelnen Ergebnissen. Gleichzeitig sei intern sehr kritisch gearbeitet worden.

Der Schlüssel für mehr Torgefahr liege vor allem in zwei Bereichen: besseres Besetzen der Räume und klarere Entscheidungen im letzten Drittel. „Es wäre definitiv möglich gewesen, mehr aus unseren Situationen zu machen“, ließ Polzin durchblicken.

Der Gegner: „Ein absolutes Brett“

Mit Borussia Dortmund wartet ein Gegner, der aktuell in bestechender Form ist. Die Dortmunder haben bereits jetzt mehr Punkte gesammelt als in der gesamten Vorsaison und gehören zu den konstantesten Teams der Liga. Für den HSV bedeutet das: maximale Konzentration – sowohl defensiv als auch im Umschaltspiel. Polzin sieht gerade in Ballgewinnen den Schlüssel, um selbst gefährlich zu werden. Über schnelles Umschalten sollen gezielt Räume attackiert werden.

Auswärtsstark: HSV mit positiver Entwicklung

Auffällig ist die Entwicklung in fremden Stadien. Während der HSV in der Hinrunde auswärts noch Probleme hatte, präsentiert sich das Team inzwischen deutlich stabiler und hat in diesem Jahr noch kein Auswärtsspiel verloren. Polzin führt das auf einen klaren Prozess zurück: Die Mannschaft habe gelernt, unterschiedliche Spielbedingungen anzunehmen und sich besser auf Gegner und Situationen einzustellen.
Diese Entwicklung könnte im Saisonendspurt ein entscheidender Faktor werden – schließlich stehen mehr Auswärts- als Heimspiele an.

Ein besonderer Moment als Mutmacher

Das Hinspiel gegen Dortmund ist für Polzin noch präsent. Damals erkämpfte sich der HSV in letzter Minute ein Remis – ein emotionaler Moment, der sinnbildlich für den Teamgeist steht. „Wenn du merkst, dass alle daran glauben, dass noch etwas geht – das sind besondere Momente“, beschreibt Polzin. Solche Erfahrungen könnten auch jetzt wieder eine Rolle spielen.

Vom Jugendtrainer in die Bundesliga: Polzins Weg

Neben der sportlichen Situation wurde Polzin in der Pressekonferenz auch auf seinen eigenen Werdegang angesprochen – und lieferte dabei spannende Einblicke. Im Gegensatz zu vielen ehemaligen Profis hat sich der HSV-Coach seinen Weg klassisch über den Nachwuchsbereich und verschiedene Trainerstationen erarbeitet.

Sein Ansatz: Nicht das große Ziel „Bundesliga-Trainer“ in den Mittelpunkt stellen – sondern die tägliche Arbeit. „Es geht um die Liebe zum Fußball und zur Arbeit mit Menschen“, erklärte Polzin. Entscheidend sei, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, viel zu analysieren, zu beobachten und zu lernen.

Dabei spielt vor allem die Leidenschaft eine zentrale Rolle. Für ihn fühlt sich der Beruf nicht wie Arbeit an, sondern wie ein tägliches Privileg. „Du kannst jeden Tag das machen, worauf du wirklich Lust hast.“ Ein Credo, das sich auch in seiner Arbeitsweise widerspiegelt – detailverliebt, strukturiert und gleichzeitig teamorientiert.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.