Der Klassenerhalt ist geschafft, die Anspannung fällt langsam ab – doch bei Holstein Kiel richtet sich der Blick längst schon wieder auf die kommende Bundesliga-Saison. Im Mittelpunkt der Medienrunde nach dem öffentlichen Training stand dabei Kapitän Jonas Meffert, der bemerkenswert offen über die zurückliegenden Monate, die Bedeutung der Kabine und die Zukunft des Vereins sprach. Vor allem ein Thema war dem Mittelfeldspieler besonders wichtig: Erfahrung und Führung innerhalb der Mannschaft.
Meffert fordert erfahrene Spieler
Zwar wollte sich Meffert ausdrücklich nicht in die Transferpolitik einmischen, doch zwischen den Zeilen wurde deutlich, wo er Handlungsbedarf sieht. „Ich glaube schon, dass es brutal wichtig ist, ein, zwei erfahrene Spieler im Team zu haben – vor allem auch für die Kabine“, erklärte der 31-Jährige.
Gerade in schwierigen Phasen seien solche Persönlichkeiten enorm wertvoll. „Ich finde, dass teilweise unterschätzt wird, welchen Wert solche Spieler für eine Mannschaft haben. Dass Regeln, Ordnung und gewisse Dinge durchgesetzt werden.“ Besonders junge Spieler würden sich an diesen Typen orientieren. „Wenn alles gut läuft, können junge Spieler zocken und Spaß haben. Aber wenn es schwierig wird, brauchst du Führungsspieler.“
Sebastian Schonlau als Beispiel
Einen konkreten Namen wollte Meffert zwar nicht offensiv ins Spiel bringen, sprach aber auffällig positiv über seinen früheren HSV-Mitspieler Sebastian Schonlau. „So in der Art stelle ich mir das vor“, sagte Meffert mit Blick auf Führungsspieler-Typen wie Schonlau oder auch Ex-Profi Simon Rolfes. Die Aussagen dürften rund um die Förde durchaus aufmerksam registriert werden – schließlich laufen bei Holstein im Sommer einige personelle Veränderungen an.
„Mental extrem intensiv“
Rückblickend beschrieb Meffert seine Rückkehr-Saison bei den Kielern als enorme Achterbahnfahrt. „Mental war das extrem intensiv“, erklärte der Kapitän. Vor allem die schwierige Phase mit vielen Niederlagen am Stück habe an der Mannschaft genagt. „Manche Spiele haben wir verdient verloren, manche aber auch unglücklich oder knapp.“ Als Wendepunkt bezeichnete Meffert den wichtigen Sieg in Bochum. „Der hat uns allen unglaublich viel Kraft gegeben.“ Danach habe sich die Mannschaft auch das nötige Glück wieder erarbeitet.
Dankbarkeit trotz schwieriger Monate
Trotz aller Rückschläge blickt Meffert inzwischen sehr positiv auf sein erstes halbes Jahr bei der KSV zurück. „Ich bin wirklich froh, dass alles genau so passiert ist.“ Besonders lobte der Mittelfeldspieler die Mannschaft und das Umfeld. „Die Jungs haben mich mega aufgenommen. Man hat direkt gemerkt, wie viel dieser Verein den Menschen bedeutet.“ Auch die Unterstützung der Fans imponierte ihm nachhaltig.
Volle Konzentration auf das Saisonfinale
Trotz des bereits gesicherten Klassenerhalts will Holstein auch am letzten Spieltag noch einmal alles investieren. „Wir haben eine Verpflichtung anderen gegenüber“, betonte Meffert mit Blick auf die Partie in Dresden und den damit verbundenen Abstiegskampf des Gegners und die Konkurrenz.
Schon gegen Magdeburg habe die Mannschaft in den ersten vierzig Minuten gezeigt, dass sie weiterhin mit voller Intensität auftreten wolle. „Jeder gibt 100 Prozent.“ Vor allem wolle man den mitreisenden Fans noch einmal einen erfolgreichen Saisonabschluss schenken. „Das ist keine kurze Reise. Deshalb werden wir alles geben, um das Spiel zu gewinnen.“
Kontakt zum HSV und Urlaub in Japan
Auch über seine Vergangenheit beim Hamburger SV sprach Meffert offen. Besonders gefreut habe ihn eine Nachricht von HSV-Sportvorstand Claus Costa, der auch am vergangenen Samstag im Holstein-Stadion zu Besuch war, nach dem Kieler Klassenerhalt. „Das hat mich total gefreut.“ Grundsätzlich habe er den HSV-Erfolg ebenfalls intensiv verfolgt. „Ich habe mich total für den Verein gefreut.“
Nach der kräftezehrenden Saison freut sich Meffert nun aber erstmal auf Erholung – unter anderem mit einer Reise nach Japan. „Ich habe von vielen Leuten gehört, dass es dort so toll sein soll. Jetzt haben wir etwas mehr Zeit, deshalb wollte ich das mal ausprobieren.“
Vorher wartet allerdings noch das Saisonfinale – und dort will der Holstein-Kapitän noch einmal mit voller Energie vorangehen.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

