Es ist angerichtet für ein Bundesliga-Finale, das dramatischer kaum sein könnte. Der FC St. Pauli geht als Tabellenletzter in den letzten Spieltag – punktgleich mit dem VfL Wolfsburg und dem 1. FC Heidenheim. Alle drei Teams stehen bei 26 Punkten. Und ausgerechnet am Millerntor kommt es nun zum direkten Duell zwischen St. Pauli und Wolfsburg. Nur ein Sieg hilft den Kiezkickern überhaupt noch weiter. Und selbst dann könnte es am Ende nicht reichen.
Ein Endspiel unter schwierigen Voraussetzungen
Die Vorbereitung auf dieses alles entscheidende Spiel verlief allerdings alles andere als optimal. Beim FC St. Pauli grassierte in den vergangenen Tagen ein Magen-Darm-Virus, der mehrere Spieler außer Gefecht setzte und die Trainingsarbeit massiv beeinträchtigte. „Letzte Woche hat es uns ausgeknockt, als vier Spieler kurzfristig ausgefallen sind“, erklärte Trainer Alexander Blessin. Teilweise trainierten Spieler individuell und getrennt von der Mannschaft, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Gemeinsame Mittagessen wurden gestrichen, die Abläufe angepasst. Trotzdem zeigte sich Blessin zufrieden mit der Reaktion seines Teams: „Die Jungs haben sich gegenseitig gepusht. Es war wirklich Leben drin.“
Zwischen Lockerheit und maximalem Druck
Die Situation ist brutal: St. Pauli muss Wolfsburg schlagen und gleichzeitig auf Schützenhilfe aus Mainz hoffen, das parallel in Heidenheim spielt. Gewinnt Heidenheim ebenfalls, könnte sogar die Tordifferenz entscheiden – und dort haben die Hamburger wegen ihrer schwachen Offensive enorme Nachteile. Nur 28 Tore erzielte St. Pauli bislang in 33 Spielen. Blessin versuchte deshalb in dieser Woche bewusst, den Druck etwas herauszunehmen. „Die Jungs haben auch gelacht und diese Lockerheit brauchen wir“, sagte der Trainer. Gleichzeitig betonte er aber auch: „Wir alle wissen, dass es das wichtigste Spiel der Saison ist.“
Hoffnung auf Ricky-Jade Jones und die Fans
Immerhin gibt es personell auch positive Nachrichten. Ricky-Jade Jones könnte nach seinem Syndesmosebandriss erstmals wieder in den Kader zurückkehren. Auch Karol Mets drängt trotz Risiko auf einen Einsatz. „Karol Mets will unbedingt dabei sein“, verriet Blessin. „Er hat eine unglaubliche Bereitschaft signalisiert.“ Überhaupt setzt St. Pauli im Saisonfinale vor allem auf Mentalität, Energie – und das Millerntor. „Wir haben ein Heimspiel und sind zuhause stark. Das Faustpfand mit unseren Fans wollen wir nutzen“, sagte Blessin. Die Hoffnung ist groß, dass die Fans die Mannschaft noch einmal tragen können. Gerade weil der Glaube nach der Niederlage in Leipzig und dem Absturz auf Platz 18 sichtbar gelitten hatte.
Irvine glaubt weiter an das Wunder
Kapitän Jackson Irvine gab die Richtung dennoch klar vor. „Brust raus und Kopf hoch“, forderte der Australier nach der Niederlage in Leipzig. „Wenn wir Wolfsburg schlagen, haben wir eine Chance.“ Mehr braucht es für St. Pauli derzeit nicht: Eine Chance. Ein letztes Spiel. Ein letzter Kraftakt.
Auch Blessin selbst im Fokus
Brisant: Während St. Pauli um den Klassenerhalt kämpft, wird Trainer Alexander Blessin bereits mit anderen Bundesligisten in Verbindung gebracht. Laut Medienberichten sollen unter anderem Augsburg, Wolfsburg und Köln Interesse am 52-Jährigen haben. Doch aktuell interessiert das am Millerntor kaum jemanden. Denn erst einmal geht es um 90 Minuten Ausnahmezustand. Um die Relegation. Oder um den bitteren Gang zurück in die 2. Bundesliga.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
