Der Tabellenzwölfte gegen den souveränen Spitzenreiter – auf dem Papier waren die Rollen vor dem Duell zwischen dem Suchsdorfer SV und der Probsteier SG klar verteilt. Auf dem Platz war davon wenig zu sehen. Suchsdorf lieferte dem Favoriten über 90 Minuten einen großen Kampf, führte zweimal und musste sich erst kurz vor Schluss durch den zweiten Treffer von Rene Puls mit einem 2:2 zufriedengeben.
Suchsdorf schockt den Spitzenreiter
Die Gastgeber versteckten sich von Beginn an nicht. Zwar fehlte der Probsteier SG mit Azem Mehanovic ihr Spielmacher und Leitwolf urlaubsbedingt, doch auch unabhängig davon fand der Tabellenführer zunächst kaum Mittel gegen einen gut organisierten SSV.
Suchsdorf stand kompakt, gewann viele Zweikämpfe und hatte auch selbst längere Ballbesitzphasen. Die Belohnung folgte bereits in der elften Minute. Nach einem Ballgewinn von Kapitän Moritz Borchers ging es über Henning Eberling nach außen zu Pelle Christiansen. Dessen Hereingabe führte schließlich zum 1:0 – der Treffer wird Christiansen zugeschrieben. „Wir haben die Probstei nicht dominiert, aber wir haben das Spiel über die 45 Minuten schon kontrolliert“, zeigte sich SSV-Trainer Dennis Guscinas mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden. Vor allem gegen den Ball habe sein Team „nahezu jeden Zweikampf gewonnen“.
Die PSG tat sich dagegen schwer, Tempo und Überraschungsmomente in ihr Offensivspiel zu bekommen. Rene Puls agierte aus der Innenverteidigung immer wieder als Initiator des Spielaufbaus. Wirklich gefährlich wurde es zunächst nur vereinzelt. Lennard Reinke prüfte Suchsdorfs Keeper Mats Berger, wenig später landete ein Kopfball von Bennet Nitta auf dem Tornetz. Auf der anderen Seite hatte Henning Einar Eberling die Möglichkeit zum 2:0, scheiterte jedoch an PSG-Routinier Thomas Bohrmann.
Puls mit Traumfreistoß zum denkbar bitteren Zeitpunkt
Als Suchsdorf schon mit der Führung in die Kabine zu gehen schien, schlug der Tabellenführer doch noch zu. In der 45. Minute bekam die PSG einen Freistoß zugesprochen – und Puls zirkelte den Ball mit links traumhaft in den rechten Winkel. 1:1 mit praktisch der letzten Aktion der ersten Hälfte. Für Guscinas besonders bitter: „Die Probstei hatte aus dem Spiel heraus in der ersten Halbzeit eigentlich keinen richtigen Abschluss. Dann kommt kurz vor der Halbzeit dieser Freistoß.“
Suchsdorf muss Verletzungsschock verkraften
Nach dem Seitenwechsel erhöhte die Probsteier SG zwar ihre Aktivität, wirklich zwingend wurde der Tabellenführer aber weiterhin nur selten. Der letzte Pass fehlte, während Suchsdorf aus seiner kompakten Ordnung immer wieder Umschaltmomente bekam.
Dann rückte der Fußball vorübergehend in den Hintergrund. Suchsdorfs Marcel Reinke verletzte sich am Knie so schwer, dass ein Krankenwagen gerufen werden musste. Nach erster Einschätzung bestand der Verdacht auf eine herausgesprungene Kniescheibe. Eine genaue Diagnose stand zunächst noch aus. „Erst einmal drücken wir Marcel natürlich die Daumen, dass da hoffentlich nichts Schwerwiegendes vorliegt“, sagte Guscinas nach der Partie. Bemerkenswert: Seine Mannschaft ließ sich von der langen Unterbrechung nicht aus dem Konzept bringen.
Wulbrandt nutzt den Blackout
Ganz im Gegenteil. In der 85. Minute leistete sich die PSG einen folgenschweren Fehler in der Defensive. Das Tor war verlassen – und der eingewechselte Finn Wulbrandt nutzte die Situation zum umjubelten 2:1. Die Überraschung lag in der Luft. Der abstiegsbedrohte Außenseiter war nur noch wenige Minuten davon entfernt, den Spitzenreiter zu schlagen.
Doch dann kam erneut Puls. In der 90. Minute traf der Innenverteidiger, der inzwischen im offensiven Mittelfeld agierte, ein zweites Mal und rettete der Probsteier SG mit seinem Doppelpack zumindest einen Punkt. Für Suchsdorf war es angesichts des Spielverlaufs dennoch ein Ergebnis, das Mut für die kommenden Aufgaben machen dürfte. „Insgesamt geht das Remis, glaube ich, schon in Ordnung. Wenn nicht, müssen wir uns sogar mehr ärgern“, bilanzierte Guscinas. Sein Team habe gezeigt, „dass wir es dem Tabellenführer schwer machen können“.
Für die Probsteier SG bleibt der Punkt zumindest ausreichend, um mit 28 Zählern souverän an der Tabellenspitze zu bleiben. Suchsdorf steht mit zwölf Punkten auf Rang zwölf – zeigte gegen den Spitzenreiter aber deutlich, dass die aktuelle Platzierung wenig darüber aussagt, wie unangenehm diese Mannschaft sein kann. „Wir konnten immer wieder gefährlich werden. Und das ist ein gutes Gefühl“, sagte Guscinas. Jetzt gehe es darum, die „deutlich besseren Leistungen in den letzten Wochen“ endlich auch häufiger mit Punkten zu belohnen.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
