Zwischen Aufstiegstraum und Heiratsantrag: Ein Tag, den Thomas Bohrmann nie vergessen wird

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Heiratsantrag vor dem Spiel: Ein Tag, den Thomas Bohrmann nie vergessen wird

Die Probsteier SG 2012 hat den Sprung in die Aufstiegsrelegation knapp verpasst. Trotz eines souveränen 5:0-Erfolgs am letzten Spieltag blieb am Ende „nur“ Platz drei hinter Meister Pönitz und dem Heikendorfer SV. Für PSG-Trainer Thomas Bohrmann war es dennoch ein Tag, der wohl für immer in Erinnerung bleiben wird – denn unmittelbar vor dem Spiel bekam er auf dem Platz einen emotionalen Heiratsantrag von seiner langjährigen Freundin.

Dabei begann der Tag zunächst völlig normal. „Im Grunde genommen lief der Tag wie jeder Spieltag ab“, erzählt Bohrmann gegenüber NordKick. „Morgens aufstehen, mit meiner Herzdame frühstücken, dann Vorbereitung aufs Spiel. Um Viertel vor zwölf bin ich los, danach Mannschaftsbesprechung, umziehen, Platzaufbau, Aufwärmen – alles wie immer.“ Doch kurz vor dem Anpfiff nahm der Tag plötzlich eine völlig unerwartete Wendung.

Ein Spalier auf dem Sportplatz – und plötzlich lief die Musik

Als die Mannschaft gerade ihren Kreis bildete und die letzten Instruktionen besprochen wurden, kam PSG-Obmann Ulli Schröder auf Bohrmann zu. „Er sagte nur zu mir: ‚Hol mal deine Eltern rüber.‘ Die standen auf der anderen Seite des Platzes. Ich habe erst überhaupt nicht verstanden, was los ist.“

Bohrmann lief zu seinen Eltern – und ahnte noch immer nichts. „Dann sagte mein Vater plötzlich nur: ‚Komm mal mit, mein Jung.‘ Und auf einmal lief im Hintergrund eine selbst komponierte Musik meiner Freundin.“ Als sich der PSG-Coach umdrehte, bot sich ihm ein Bild, das ihn komplett überwältigte: Beide Mannschaften – die Probsteier SG und Gegner Flintbek – hatten ein Spalier gebildet. Seine Eltern führten ihn über den Platz, am Ende wartete seine Freundin mit Herzballons auf ihn.

„Sie hat dann ein paar unfassbar liebe Worte gesagt und mir vor allen den Antrag gemacht“, erzählt Bohrmann sichtlich gerührt. „Ich hatte sofort Tränen in den Augen und wusste gar nicht mehr, wohin mit mir.“ Natürlich sagte er Ja. Besonders kurios: Genau solch einen Antrag hatte Bohrmann selbst eigentlich geplant – allerdings erst nach seinem Karriereende. „Sie hat mir meine eigene Idee geklaut“, sagt er lachend. „Ich wollte ihr eigentlich irgendwann nach meiner Karriere genau so einen Antrag machen.“

PSG liefert sportlich eine starke Antwort

Trotz der emotionalen Momente vor dem Spiel präsentierte sich die PSG anschließend hoch konzentriert. Die Mannschaft dominierte Flintbek über die kompletten 90 Minuten und gewann verdient mit 5:0. „Die Jungs waren richtig heiß und haben nochmal gezeigt, wofür wir die ganze Zeit gearbeitet haben“, sagt Bohrmann. „Wir hätten sogar noch mehr Tore schießen können.“

Zwischenzeitlich keimte noch einmal Hoffnung auf die Relegation auf, als Nachrichten vom Parallelspiel eintrafen. Doch mit dem Umschwung zugunsten Heikendorfs war klar: Die PSG würde die Saison auf Rang drei beenden. „Natürlich hätte ich mir als Abschluss meiner Trainerzeit die Relegation gewünscht“, gibt Bohrmann offen zu. „Das wäre nochmal ein echtes Highlight gewesen.“ Dennoch zieht der PSG-Coach insgesamt eine positive Bilanz. „Wir haben die Jungs wieder auf den richtigen Weg gebracht. Das war mir extrem wichtig.“

Vom Trainer zurück ins Tor

Nach einer turbulenten Saison zieht Bohrmann nun persönliche Konsequenzen – und kehrt in der kommenden Spielzeit wieder auf seine eigentliche Position zurück: ins Tor. Die Doppelrolle als Trainer und Spieler sei auf Dauer emotional schwierig gewesen. „Ich musste Entscheidungen über Spieler treffen, mit denen ich eigentlich selbst zusammenspiele. Das war extrem schwer.“

Hinzu kamen einige sportliche und zwischenmenschliche Situationen, die ihn zum Nachdenken brachten. Vor allem aber spürte Bohrmann, dass seine eigene Fußballgeschichte noch nicht beendet ist. „Ich möchte selbst entscheiden, wann ich mit Fußball aufhöre – und nicht mein Körper.“ Deshalb arbeitet der PSG-Routinier bereits wieder intensiv an seinem Comeback zwischen den Pfosten. „Ich habe wieder angefangen zu trainieren. Noch nicht so intensiv, wie ich gerne wollte, aber ich werde jetzt alles dafür tun, um nächste Saison wieder bei hundert Prozent zu sein.“

Nach einem Tag voller Emotionen, Tränen, Freude und verpasster Aufstiegsträume dürfte eines ohnehin feststehen: Für Thomas Bohrmann war dieser letzte Spieltag weit mehr als nur ein Fußballspiel.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

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