Rebbe im Krisen-Interview: Walter-Endspiel, oder doch nicht?

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Geschäftsführer Sport Olaf Rebbe im Gespräch mit Trainer Tim Walter nach dem öffentlichen Dienstags-Training von Holstein Kiel

Holstein Kiel steckt nach sieben sieglosen Spielen und nur vier Punkten tief in der Ergebniskrise. Sportchef Olaf Rebbe fordert vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC eine Reaktion – hält aber weiter an Tim Walter und dem gemeinsamen Weg fest. Die schwache Vorstellung in Braunschweig bewertet er deutlich kritischer als sein Trainer.

Bei Holstein Kiel ist es keine normale Trainingswoche mehr. Das wurde am Dienstag auch rund um das öffentliche Training deutlich. Sportchef Olaf Rebbe, der zuletzt nicht regelmäßig bei den Einheiten am Trainingsplatz zu beobachten war, verfolgte das Geschehen vor Ort. Auch Co-Trainer Michael Wimmer griff auffällig häufig ein, coachte intensiv und war im Trainingsspiel sehr präsent.

Nach dem 0:1 bei Eintracht Braunschweig wurde zudem intern ausführlich gesprochen. Von einer „Krisensitzung“ möchte Rebbe zwar nicht sprechen. Intensiv sei die Aufarbeitung aber durchaus gewesen. „Wir haben auf jeden Fall intensiv zusammengesessen, was wir nach jedem Spiel machen – in verschiedenen Gruppen, natürlich mit dem Trainerteam, aber auch mit der Mannschaft“, erklärte der Sportchef im Gespräch mit Medienvertretern.

„Vier Punkte sind deutlich zu wenig“

Die Botschaft ist unmissverständlich. Nach sieben Spieltagen wartet Holstein weiterhin auf den ersten Sieg. „Über allem steht, dass wir den Bock gemeinsam umstoßen wollen“, sagt Rebbe. Über einzelne Inhalte der internen Gespräche möchte er nicht sprechen. Dass es Redebedarf gab, verhehlt er allerdings nicht. „Wir sind mit der Spielleistung und der Konsequenz, die wir in verschiedenen Phasen des Spiels auf dem Platz zeigen, nicht einverstanden.“

Es gehe darum, Spiele konsequenter zu Ende zu bringen und letztlich auch für sich zu entscheiden. Die nackten Zahlen seien nicht wegzudiskutieren: „Vier Unentschieden sind in sieben Spielen halt einfach nur vier Punkte. Da brauchen wir nicht darüber zu diskutieren, dass das deutlich zu wenig ist und unseren Ansprüchen nicht gerecht wird.“

Panik will Rebbe trotzdem vermeiden. Die Situation müsse „nüchtern analytisch“ betrachtet werden. Dass sich die Anhänger Sorgen machen, könne er nachvollziehen. „Ich verstehe alle Holsteiner und Fans, die dieses Thema emotional und auch mit Sorge begleiten. Das tun wir auch ein Stück weit, weil wir uns andere Dinge vorgestellt haben.“

Kein Endspiel für Tim Walter

Vor der Niederlage in Braunschweig hatte Rebbe seinem Trainer noch öffentlich den Rücken gestärkt. Auch nach dem erneuten Rückschlag erklärt er das kommende Spiel gegen Hertha BSC ausdrücklich nicht zum Endspiel für Tim Walter. „Wir sind hier im Mannschaftssport. Hier geht es nicht darum, auf Einzelne zu zeigen oder mit dem Finger Schuldige zu suchen.“

Mannschaft, Trainerteam und Verein steckten gemeinsam „zumindest in einer Ergebniskrise“ und in einer sportlichen Situation, „die wir uns so nicht gewünscht haben“. Rebbe: „Da rücken wir zusammen und geben alles, um da rauszukommen.“ Das Heimspiel gegen Hertha sei dafür eine „wunderbare Gelegenheit“.

Rebbe widerspricht Walter nicht – bewertet Braunschweig aber anders

Interessant bleibt die unterschiedliche öffentliche Bewertung der Braunschweig-Partie. Walter hatte unmittelbar nach dem Spiel betont, seine Mannschaft habe vieles gut gemacht und alles investiert. Rebbe hingegen hatte einen wesentlich kritischeren Eindruck.

Diesen Unterschied erklärt der Sportchef mit den unterschiedlichen Rollen. „Tim steht nach dem Spiel zu seiner Mannschaft und versucht auch, sie in einer gewissen Art und Weise in Schutz zu nehmen. Ich muss für das große Ganze stehen und die Dinge so einordnen, wie wir sie gemeinsam empfunden haben.“ Und Rebbe wird noch deutlicher: „Ich habe insgesamt einen schlechten Vortrag gesehen und nicht das, was wir uns nach dieser langen Länderspielphase vorgestellt haben.“

Das sei nicht nur seine persönliche Einschätzung: „Ich glaube, da spreche ich nicht alleine, sondern für alle im Club und auch rückblickend für die Analyse.“ Einen Spalt zwischen Sportchef und Trainer gebe es deshalb aber nicht. „Grundsätzlich sind wir uns bei allen Themen einig.“ Gleichzeitig sei allen bewusst, „dass es hier nichts schönzureden gilt“.

Die Entwicklung ist ins Stocken geraten

Auch die Frage nach der sportlichen Entwicklung beschäftigt Holstein. Walter hatte die Mannschaft in der vergangenen Saison übernommen und nach schwierigem Beginn stabilisiert. Im Sommer bestand anschließend die Möglichkeit, den Kader weiter an die gewünschte Spielweise anzupassen.

Der erhoffte nächste Schritt ist bislang zumindest in den Ergebnissen nicht zu erkennen. Rebbe verweist dabei unter anderem auf das Spiel in Darmstadt, in dem Holstein eine 2:0-Führung nicht zum Sieg brachte. Gerade deshalb schmerze ein Auftritt wie in Braunschweig zusätzlich. „Da haben wir uns mehr vorgenommen. Und das ist enttäuschend für uns alle.“

Die entscheidende Frage, ob die vorhandene Qualität für den anspruchsvollen Fußball Walters ausreicht, ließ Rebbe hingegen bewusst unbeantwortet. „Das ist eine Definitionsfrage und eine philosophische Frage, die ich jetzt einmal so stehen lasse.“

Eine kurze Antwort – die in der aktuellen Situation durchaus Raum für weitere Diskussionen lässt.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

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