
Nach Sieg in Düsseldorf: Holstein-Spieler blickt optimistisch auf die „heißen Wochen“ im Abstiegskampf
Die Stimmung bei Holstein Kiel ist nach dem wichtigen 2:1-Erfolg in Düsseldorf spürbar gelöst – trotz anstrengender Rückreise. „Die Laune ist super. Klar war die Heimfahrt lang und wir hatten wenig Schlaf, aber wir sind jetzt wieder auf dem Platz und fahren hoch fürs Wochenende“, beschreibt Niklas Niehoff die aktuelle Gefühlslage nach dem Dienstags-Training.
Sieben Punkte – und trotzdem keine Entwarnung
Sportlich zeigt die Formkurve klar nach oben: sieben Punkte aus den letzten drei Spielen. Doch von einem Befreiungsschlag will Niehoff noch nicht sprechen. „Wir haben uns ein paar Plätze nach oben gearbeitet, aber der Abstand ist immer noch sehr klein. Es ist alles extrem eng.“
Die Tabelle bestätigt das Gefühl: Viele Teams stecken im unteren Drittel fest, direkte Duelle stehen noch an. „Die Mannschaften nehmen sich gegenseitig die Punkte weg. Es wird ein enges Rennen mit vielen Teams.“
„Mit Mann und Maus verteidigt“
Beim Sieg in Düsseldorf wurde es in der Schlussphase noch einmal richtig hektisch – gerade für Einwechselspieler wie Niehoff keine einfache Situation: „Wenn du die letzten zehn Minuten reinkommst, fliegen nur noch lange Bälle. Du musst sofort da sein, alles reinwerfen.“ Genau das habe die Mannschaft getan: „Wir haben mit Mann und Maus verteidigt – und das hat am Ende für die drei Punkte gereicht.“
Große Bühne, große Motivation
Das Spiel vor rund 50.000 Zuschauern in Düsseldorf war für den jungen Spieler ein besonderes Erlebnis: „In solchen Stadien macht es einfach noch mehr Spaß – vor allem abends. Aber im Spiel selbst blendest du das komplett aus, da bist du voll im Tunnel.“
Konkurrenzkampf ohne Neid
Auch die persönliche Situation ist für Niehoff aktuell nicht einfach. Die Einsatzzeiten sind unter Trainer Tim Walter zurückgegangen – doch im Team und vor allem auch in der gemeinsamen WG mit Teamkamerad Lasse Rosenboom stimmt die Chemie. „Wir supporten uns gegenseitig. Wenn Lasse spielt, bin ich nicht böse. Das entscheidet der Trainer.“ Klar ist aber auch: „Natürlich wollen wir beide mehr spielen. Ich versuche, mich über Leistung anzubieten.“
Systemwechsel als Herausforderung
Ein Grund für die veränderte Rolle liegt im Systemwechsel nach dem Trainerwechsel: „Vorher war es eher eine Fünferkette mit Schienenspielern – das kam mir entgegen, weil ich das auch bei meinem Ex-Klub gespielt habe. Jetzt habe ich nicht mehr meine optimale Position.“ Dazu kommt die Rolle als vielseitiger Backup: „Ich bin aktuell so ein bisschen der Spieler für viele Positionen. Das ist nicht immer einfach, aber das muss man annehmen.“
Mehr Intensität, mehr Lautstärke
Auch im Training hat sich unter Walter einiges verändert: „Es ist mehr Stress drin, der Kopf ist mehr gefordert. Und wenn dem Trainer etwas nicht gefällt, wird er auch mal lauter.“ Das wird intern jedoch positiv aufgenommen: „Das ist nichts Negatives. Dann hören alle zu und wissen, worum es geht. Das hat möglicherweise zuletzt unter Marcel Rapp auch gefehlt.“
Fokus auf Kaiserslautern – und den nächsten Schritt
Mit Blick auf das kommende Spiel gegen Kaiserslautern bleibt Niehoff klar: „Egal wer kommt – jeder will gewinnen. Es wird kein einfaches Spiel.“ Das Ziel ist dennoch eindeutig: „Wir wollen den positiven Trend fortsetzen und den Abstand nach unten vergrößern.“
Abendspiele als Bonus – Heimspiel als Ziel
Ein Highlight sind aktuell die Freitagabendspiele: „Flutlicht, volles Stadion – das macht immer Bock. Gerne mehr davon.“ Was allerdings noch fehlt: ein Heimsieg unter Tim Walter. Niehoff mit einem kleinen Schmunzeln: „Dann holen wir den jetzt am Wochenende.“
Fazit:
Holstein Kiel ist im Aufwind – aber längst noch nicht durch. Die Mannschaft wirkt gefestigt, der Konkurrenzkampf funktioniert, und die Mentalität stimmt. Jetzt kommt es darauf an, den Trend in den entscheidenden Wochen zu bestätigen.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
