Zwei Wochen intensive Vorbereitung und ein Trainingslager unter Tim Walter liegen hinter Holstein Kiel. Für Kasper Davidsen war es die bislang härteste Saisonvorbereitung seiner Karriere. Der 21-jährige Däne erzählt, wie Walter die Störche körperlich und vor allem mental an ihre Grenzen bringt – und warum er genau darin einen großen Vorteil für die neue Saison sieht.
Das Trainingslager ist absolviert, der Zweitliga-Start rückt näher. Wer Tim Walter kennt, dürfte nicht überrascht sein, dass die vergangenen Wochen für die Profis von Holstein Kiel wenig mit einem gemütlichen Sommercamp zu tun hatten. Kasper Davidsen kann darüber inzwischen aus eigener Erfahrung berichten. Nach dem öffentlichen Training am Dienstag sprach der Mittelfeldspieler mit uns über sein erstes Trainingslager unter Walter.
„Es ist kein Urlaub“
Sein Fazit fällt positiv aus – trotz der enormen Belastung. „Es war sehr anstrengend. Wir hatten viele Trainingseinheiten“, berichtet Davidsen. Trotzdem habe die gemeinsame Zeit viel Spaß gemacht. „Aber so sollte ein Trainingslager sein. Es ist kein Urlaub.“
Vor allem die Intensität, die Walter von seinen Spielern verlangt, hat beim 21-Jährigen Eindruck hinterlassen. Auf die scherzhafte Frage, wie viele Stunden am Tag der Trainer während des Trainingslagers in seinem Kopf gewesen sei, antwortet Davidsen: „Mindestens drei. Vielleicht vier.“
Walter verlangt maximale Standards
Der Däne hat schnell kennengelernt, was passiert, wenn die von Walter geforderten Abläufe und die Intensität nicht stimmen. „Er bringt uns an unsere Grenzen und setzt sehr hohe Standards. Wenn du diese Standards nicht erfüllst, dann kommt er zu dir“, erzählt Davidsen – und meint das ausdrücklich positiv.
Denn für ihn steckt dahinter ein klarer Zweck: „Wenn du das machst, was er dir sagt, wirst du besser. Er fordert dich jeden Tag. Das ist sehr gut für uns.“ Dass Walter viel verlangt, war bereits während der ersten Wochen der Vorbereitung zu beobachten. Lange Dauerläufe stehen dabei nicht unbedingt im Mittelpunkt. Vielmehr sollen die Spieler auch unter körperlicher Erschöpfung Entscheidungen treffen, Abläufe einhalten und technisch sauber bleiben.
„Das ist das Schlimmste“
Genau diese Kombination macht die Vorbereitung für Davidsen so außergewöhnlich. Auf die Frage, ob es die härteste seiner bisherigen Karriere sei, muss der Däne nicht lange überlegen. „Ja, das war sie.“
Auch bei seinem früheren Verein habe es körperlich sehr anspruchsvolle Vorbereitungen gegeben. Unter Walter komme jedoch eine weitere Komponente hinzu. „Er fordert deinen Kopf, wenn du müde bist. Das ist das Schlimmste“, erklärt Davidsen. „Wenn du müde bist, machst du Fehler – und dann kommt er zu dir.“ Damit werde nicht nur der Körper, sondern insbesondere die Konzentrationsfähigkeit unter Belastung trainiert.
Fehler sollen jetzt passieren – nicht in der Liga
Dass diese Müdigkeit Auswirkungen auf die Testspiele hatte, bestreitet Davidsen nicht. Gerade bei Fehlern im Spielaufbau wurde sichtbar, dass Holstein nach den intensiven Einheiten nicht mit frischen Beinen in die Partien gegangen war.
Für Davidsen gehört das zur Vorbereitung. Entscheidend sei, dass die Störche daraus lernen. „Natürlich dürfen wir diese Fehler später nicht mehr machen“, stellt der Mittelfeldspieler klar. „Wir sind müde und wenn du müde bist, machst du mehr Fehler.“ In der Vorbereitung könne die Mannschaft damit leben. Sobald es um Punkte geht, müsse die Fehlerquote allerdings deutlich sinken.
Vorbereitung als Grundlage für die Saison
Die Rechnung hinter Walters Programm ist damit ziemlich einfach: Jetzt soll es wehtun, damit die Mannschaft während der Saison davon profitiert. Davidsen glaubt daran. Wer diese Belastung überstehe und anschließend wieder vollständig regeneriert sei, befinde sich körperlich und mental auf einem anderen Niveau.
Für den 21-Jährigen war es die härteste Vorbereitung seiner bisherigen Laufbahn. Gleichzeitig scheint genau das bei ihm angekommen zu sein, was Walter erreichen möchte: Die Störche sollen lernen, auch dann ihre Spielidee durchzuziehen, wenn Körper und Kopf längst nach einer Pause verlangen.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

