Eigentlich schienen die Rollen vor dem Kieler Derby klar verteilt. Inter Türkspor kam als Tabellenzweiter und Aufstiegsanwärter nach Molfsee, die SpVg Eidertal Molfsee kämpft dagegen im unteren Tabellendrittel. Auf dem Platz war davon über weite Strecken wenig zu erkennen. Mit Leidenschaft, konsequentem Umschaltspiel und einem starken Kim Luca Ralf Kuckella im Tor bezwang Eidertal den Favoriten mit 3:2 – und machte es nach einer 3:0-Führung in einer turbulenten Schlussphase noch einmal unnötig spannend.
Inter macht das Spiel – Molfsee macht das Tor
Die Gäste übernahmen zunächst die Initiative, liefen früh an und drängten Eidertal in die eigene Hälfte. Die erste wirkliche Gelegenheit gehörte allerdings den Hausherren: Luca René Schemborski setzte den Ball in der zehnten Minute knapp am linken Pfosten vorbei. Nur eine Minute später schlug Molfsee zu. Ein kapitaler Fehlpass im Kieler Spielaufbau landete bei Joel Agyemang Prempeh, der das Geschenk annahm und zum 1:0 einschob.
Das Tor veränderte die Partie. Molfsee gewann zunehmend Sicherheit, warf sich in die Zweikämpfe und wurde von der eigenen Bank für nahezu jede gelungene Aktion gefeiert. Inter dagegen verlor die anfängliche Klarheit. Viele Aktionen wirkten kompliziert, das Spiel wurde zu häufig über Einzelaktionen gesucht.
In der 27. Minute hätte Molfsee nach einem weiteren schweren Kieler Ballverlust sogar erhöhen können. Am Ende des Konters verfehlte Carlo Heun das Tor nur knapp. Inter hatte seinerseits Möglichkeiten durch einen gefährlichen Freistoß und Distanzversuche, doch Kuckella war zur Stelle. Auch den mit bereits 14 Saisontoren angereisten Christopher Kramer bekam die Eidertaler Abwehr weitgehend in den Griff.
Prempeh schlägt erneut zu
Nach der Pause waren die Aufgaben klar verteilt. Inter musste gegen einen nun immer tiefer verteidigenden Gegner das Spiel machen, während Molfsee auf seine schnellen Umschaltmomente lauerte. Und genau einer dieser Nadelstiche saß erneut. In der 57. Minute setzte sich Prempeh im Strafraum durch und brachte den Ball zum 2:0 im Kieler Tor unter. Für den Angreifer war es bereits der zweite Treffer des Nachmittags.
Dann schien die Partie allerdings zu kippen. Leif Celik sah in der 64. Minute wegen eines unnötigen Foulspiels in der Nähe des Anstoßkreises Gelb-Rot. Molfsee musste fortan in Unterzahl verteidigen. Trainer Heiko Dukats-Jadwizak sah die Entscheidung kritisch: „Für mich war das keine Gelbe Karte. Leif ist ausgerutscht, lag am Boden und der Gegenspieler ist in ihn reingelaufen. Für den Schiedsrichter war das aber auch schwer zu sehen.“
Nur wenig später scheiterte Inter-Kapitän Julius Rainer Alt an der Latte. In der 72. Minute bekam der Favorit dann die große Gelegenheit zum Anschlusstreffer: Alt wurde im Strafraum gefoult, Torjäger Kramer trat zum Elfmeter an – doch Kuckella parierte.
Erst 3:0, dann wird es plötzlich wild
Statt des 2:1 fiel fünf Minuten später auf der anderen Seite die vermeintliche Entscheidung. Nach einem Foul an Makar Mynzu gab es auch für Molfsee Strafstoß. Enis Jashari blieb cool und verwandelte zum 3:0. Die Partie schien entschieden. War sie aber nicht.
Jeppe Tammes Waschko verkürzte in der 86. Minute auf 3:1, Christopher Kramer legte in der 89. Minute das 3:2 nach. Plötzlich war Inter wieder da. Kurz darauf bot sich sogar noch die große Gelegenheit zum Ausgleich, doch Badereddin Hamze setzte den Ball aus aussichtsreicher Position über das Tor.
Und selbst damit war der Wahnsinn noch nicht vorbei. In der Nachspielzeit lag der Ball tatsächlich zum vermeintlichen 3:3 im Molfseer Tor. Der Schiedsrichter entschied jedoch auf ein Foul an Kuckella und erkannte den Treffer nicht an. „Ich habe nur noch auf die Uhr geguckt und immer wieder gerufen, dass er aufhören soll“, beschrieb Dukats-Jadwizak die letzten Minuten. „Das ist nichts für mein Herz, dafür bin ich eigentlich zu alt.“
„Die Mannschaft hat alles reingeworfen“
Für Molfsee war es nach dem vorherigen 4:0 der zweite Sieg in Folge. Mit nun zwölf Punkten verlässt die SpVg zwar noch nicht sämtliche Sorgen, hat sich aber deutlich Luft im Kampf um den Klassenerhalt verschafft. Vor allem die Art und Weise machte den Trainer stolz: „Die Mannschaft hat das hervorragend gemacht, richtig geil gemacht und alles reingeworfen – nachher auch in Unterzahl.“ Genau darin sieht Dukats-Jadwizak einen wichtigen Entwicklungsschritt: „Wir wollen zu Tugenden zurückkehren, die talentfrei sind. Jetzt kommt auch noch die Leidenschaft dazu.“
Ganz anders die Stimmung bei Inter. Nach elf Partien bleibt der Aufstiegsanwärter zwar mit 25 Punkten Zweiter, Spitzenreiter TSV Kronshagen ist nach diesem Spieltag aber bereits auf sechs Punkte enteilt. Trainer Onur Cokgez kritisierte vor allem den Auftritt seiner Mannschaft als Kollektiv: „Wir haben uns einfach auf den anderen verlassen und waren nicht mehr als Team in den Aktionen. Wir haben unsere Positionen nicht gehalten und unsere Abläufe nicht drin gehabt.“
Dass seine Mannschaft in den letzten Minuten beinahe noch einen Punkt mitgenommen hätte, änderte für ihn wenig an der Bewertung. „Wir hätten es uns auch nicht verdient“, stellte Cokgez klar. Für Molfsee dagegen zählt nach einem intensiven Derby vor allem eines: sechs Punkte aus zwei Spielen – und das Wissen, dass im Abstiegskampf nicht nur fußballerische Qualität entscheidet.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
