
Holstein Kiel hat mit dem 3:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern nicht nur drei Punkte im Abstiegskampf gesammelt – sondern vor allem ein deutliches Signal gesendet. Es war ein Auftritt, der sinnbildlich für eine Entwicklung steht, die sich in den vergangenen Wochen immer deutlicher abzeichnet.
Und mittendrin: Jonas Meffert – mit einer Beobachtung, die fast schon beiläufig, aber bezeichnend war. „Ich hatte heute das Gefühl, ich hatte den besten Platz im Stadion“, sagte der Mittelfeldspieler mit einem leichten Grinsen – und meinte damit nicht die Tribüne, sondern seine Rolle auf dem Platz.
Plötzlich läuft es – und alle wissen warum
Was Meffert damit beschrieb, war mehr als nur ein gutes Spiel. Es war das Gefühl, Teil einer Mannschaft zu sein, bei der plötzlich vieles ineinandergreift. „Wie die Jungs da hinten rausgespielt haben, war Wahnsinn. Dadurch hatten wir riesige Räume“, erklärte er. Kiel wirkte gegen Kaiserslautern strukturiert, mutig und gleichzeitig klar in den Abläufen – ein Auftritt, der so in dieser Saison selten zu sehen war. Doch Meffert ordnet den Sieg bewusst ein: „Wir haben super gespielt, aber wir hätten auch noch mehr Tore machen können.“
Selbstvertrauen zurück – aber mit angezogener Handbremse
Auffällig: Trotz der starken Leistung bleibt die Mannschaft bemerkenswert geerdet. Kein Überschwang, kein Blick zu weit nach oben. „Wir haben noch gar nichts erreicht“, stellte Meffert klar. „Das Selbstvertrauen hat man heute gesehen, aber wir müssen weiter hart arbeiten.“
Diese Mischung aus neuem Selbstvertrauen und gleichzeitiger Demut scheint aktuell der Schlüssel zu sein. Noch vor wenigen Wochen war der Druck deutlich spürbar, die Ergebnisse blieben aus, die Kritik wurde lauter. Jetzt hat sich die Lage verändert – auch tabellarisch.
Rebbe sieht klare Entwicklung
Auch Geschäftsführer Sport Olaf Rebbe erkennt die Veränderung deutlich:
„Man sieht die Entwicklung der letzten Wochen. Die Mannschaft hat gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen.“
Gerade das sei entscheidend gewesen: Punkte holen, auch wenn es spielerisch nicht läuft. Leiden können, wenn es nötig ist. Und dann – wie gegen Kaiserslautern – die Qualität auf den Platz bringen. „Heute war das in der ersten Halbzeit eine klare Demonstration, was wir können“, so Rebbe.
Vom Druck zur Kontrolle
Zehn Punkte aus den letzten vier Spielen – eine Bilanz, die für spürbare Entlastung sorgt. Meffert beschreibt den Unterschied deutlich: „Der ganz große Druck ist jetzt schon ein Stück weit weniger geworden.“
Doch genau darin liegt die Gefahr – und gleichzeitig die Chance. Denn die Kieler wissen, dass sie sich auf diesem Polster nicht ausruhen dürfen. „Es liegt an uns“, sagt Meffert. „Jede Mannschaft da unten kann es selbst entscheiden.“
Warum es diesmal funktioniert
Ein entscheidender Faktor: die Spielweise der Gegner. Während sich Teams wie Münster tief zurückzogen, kam Kaiserslautern mit aktivem Anlaufen – und spielte Kiel damit in die Karten. „Das kam uns entgegen“, erklärt Meffert. „So konnten wir unser Spiel viel besser aufziehen.“ Doch unabhängig vom Gegner zeigt sich vor allem eines: Holstein Kiel ist aktuell deutlich gefestigter – im Spiel, aber vor allem im Kopf.
Fazit
Der Sieg gegen Kaiserslautern war mehr als nur ein Befreiungsschlag. Er war ein Beleg dafür, dass sich bei Holstein Kiel etwas verändert hat. Oder, um es mit Mefferts Worten zu sagen: Manchmal reicht es schon, wenn sich selbst ein erfahrener Mittelfeldspieler vorkommt wie ein Zuschauer – weil um ihn herum plötzlich alles funktioniert.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
