Während sich die deutsche Nationalmannschaft auf das zweite Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste vorbereitet, zeigte sich Kapitän Joshua Kimmich bei einer rund 40-minütigen Pressekonferenz von einer ganz anderen Seite. Zwischen Turnieranalyse, Familiengeschichten und kuriosen Tierbeobachtungen in den USA lieferte der 31-Jährige einige bemerkenswerte und durchaus unterhaltsame Einblicke.
Kimmich verfährt sich auf dem Weg zur Pressekonferenz
Schon die Begrüßung sorgte für Schmunzeln. Der DFB-Kapitän erschien mit leichter Verspätung und erklärte den wartenden Journalisten. „Wir haben uns nach dem Frühstück ein klein bisschen verfahren. Das war aber meine Schuld“, verteidigte ihn die Pressesprecherin des DFB. Nach dem überzeugenden 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao dürfte den beiden das allerdings niemand übel genommen haben.
„Ich ziehe an, was Nike mir schickt“
Einen überraschenden Einblick gab Kimmich bei einer Frage zu den auffällig vielen pinken Fußballschuhen bei dieser Weltmeisterschaft. Während manche Profis jahrelang auf dasselbe Modell schwören, geht Kimmich die Sache deutlich pragmatischer an. „Ich ziehe halt einfach an, was Nike mir schickt.“ Über die Farbe Pink habe er sich bislang kaum Gedanken gemacht. Früher habe er selbst einmal geglaubt, ein bestimmtes Modell bis zum Karriereende spielen zu wollen. Inzwischen sei ihm das egal. „Farbe ist zweitrangig.“ Eine Antwort, die vermutlich viele Materialmanager freuen dürfte.
Familienleben aus der Ferne
Besonders persönlich wurde es bei Fragen nach seiner Familie. Der Bayern-Profi verriet, dass die Zeit fern von Frau und Kindern durchaus herausfordernd sei. Morgens greift er regelmäßig zum Telefon, um die Lage zu Hause abzuchecken. „Ich habe bisher nicht das Gefühl, dass zu Hause der Baum brennt.“
Obwohl keine Oma zur Unterstützung eingezogen sei, scheine seine Frau die Situation bislang souverän zu meistern. Kimmich ergänzte augenzwinkernd: „Und wenn es brennen würde, würde sie es mir wahrscheinlich auch nicht sagen.“ Zum dritten Gruppenspiel soll die Familie nach New York nachreisen.
Warum die DFB-Elf keine „Sauftruppe“ werden muss
Besonders interessant war Kimmichs Sicht auf den viel diskutierten Teamgeist innerhalb der Nationalmannschaft. Der rechte Außenverteidiger widersprach der häufig romantisierten Vorstellung, dass Mannschaften automatisch zusammenwachsen, wenn sie möglichst viel Freizeit miteinander verbringen. „Viele Experten sagen, dass sie früher mal zusammen saufen waren und danach alles super war. Daran glaube ich nicht.“
Für Kimmich entsteht Zusammenhalt auf dem Platz – durch Siege, gemeinsame Arbeit und gegenseitige Unterstützung. „Wenn du auf dem Platz zusammen alles reinhaust, kannst du das danach bei einem stillen Wasser bestätigen.“ Ein Satz, der vermutlich gut beschreibt, wie diese Nationalmannschaft aktuell funktioniert.
Eichhörnchen statt Kanarienvogel
Für die kurioseste Passage der Pressekonferenz sorgte eine Frage nach tierischen Begleitern im Teamquartier. Nachdem bei der EM noch ein Kanarienvogel namens „Ringo“ für Gesprächsstoff gesorgt hatte, wurde Kimmich gefragt, ob bereits ein Nachfolger gefunden sei. Seine Antwort: „Hier sind auffällig viele Eichhörnchen unterwegs.“ Allerdings habe das Team inzwischen auch Bekanntschaft mit einer Schlange gemacht. „Uns wurde gesagt, dass die giftig ist.“ Seitdem sei die Begeisterung für die amerikanische Tierwelt etwas gebremst. „In Deutschland habe ich das Gefühl, da gibt es nicht so viele gefährliche Tiere.“
Kimmich schwärmt von Pavlovic
Eine besondere Liebeserklärung richtete der Kapitän an Bayern-Kollege Aleksandar Pavlovic. Der junge Mittelfeldspieler sei einer derjenigen, die den Fußball noch völlig unverfälscht lieben würden. „Den kannst du nachts um zwei wecken und fragen, ob er Fußball spielen will.“ Für Kimmich ist genau diese Begeisterung einer der Gründe, warum er die aktuelle Mannschaft so positiv wahrnimmt. Bei den älteren Spielern soll laut Kimmich Torwart Oliver Baumann eine ähnliche Einstellung an den Tag legen.
Die WM beginnt erst jetzt richtig
Bei aller Lockerheit machte Kimmich deutlich, dass der deutliche Sieg gegen Curaçao noch keine Aussage über die tatsächliche Stärke der deutschen Mannschaft zulässt. Die kommenden Spiele gegen Elfenbeinküste und Ecuador seien die ersten echten Gradmesser.
Bis dahin stehen für den DFB-Kapitän offenbar freie Nachmittage, Telefonate nach Hause, Eichhörnchen-Beobachtungen und möglicherweise die Suche nach einer amerikanischen Magnolie auf dem Programm. Langweilig wird Joshua Kimmich bei dieser Weltmeisterschaft jedenfalls nicht.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
