Vier Punkte, noch kein Sieg – und nun kommt Hertha BSC, der Spitzenreiter. Kapitän Jonas Meffert macht keinen Hehl daraus, dass die Woche bei Holstein Kiel anders ist als zuvor. Sportchef Olaf Rebbe hat Mannschaft und Trainerteam in die Pflicht genommen. Die Antwort soll auf dem Platz folgen.
Jonas Meffert hat bei Holstein Kiel schon einiges erlebt – schwierige Phasen gehören mittlerweile zur gemeinsamen Geschichte des Kapitäns mit der KSV und auch zur gemeinsamen Geschichte mit Trainer Tim Walter. Doch vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC ist die Situation eine andere als noch vor wenigen Wochen.
Auch Meffert bestätigt, dass Sportchef Olaf Rebbe nach dem enttäuschenden Auftritt in Braunschweig deutliche Worte an die Mannschaft gerichtet hat. „Olaf hat ganz klar gesagt, dass es jetzt an der Zeit ist, zu zeigen und nicht zu reden.“ Eine dramatische Krisensitzung will auch der Kapitän daraus nicht machen. Dennoch räumt er ein, dass sich die aktuelle Woche von vorherigen unterscheidet.
„Dann ist es natürlich anders“
Auf die Frage, ob trotz des zunehmenden Drucks eine normale Trainingswoche möglich sei, sagt Meffert zunächst, dass man die Situation nicht größer machen dürfe, als sie sei. Dann fügt er allerdings einen entscheidenden Satz hinzu: „Wenn Olaf sagt, wir sollen Taten sprechen lassen, dann ist es natürlich anders als die sechs Wochen vorher, in denen das vielleicht nicht extra in der Kabine gesagt wurde.“
Die sportliche Lage ist eindeutig. Holstein wartet weiter auf den ersten Sieg. Ausgerechnet jetzt kommt mit Hertha BSC eine Mannschaft nach Kiel, die sieben Spiele in Folge gewonnen hat. Meffert weiß um die Dimension der Aufgabe. „Hertha ist einfach sehr, sehr gut drauf. Deshalb wird es eine sehr, sehr schwere Aufgabe.“
Meffert: Einsatz kann man der Mannschaft nicht absprechen
Dass die Mannschaft gegen den Trainer spielt oder nicht alles investiert, weist der Kapitän allerdings zurück. „Jeder in der Mannschaft gibt 100 Prozent in jedem Spiel. Das sieht man auch an den Laufdaten und den Werten. Das kann man keinem einzigen hier absprechen.“ Auch Walter selbst erlebt Meffert unverändert engagiert. „Tim macht Vollgas. Er ist immer zu 100 Prozent emotional und intensiv. Er versucht, uns weiter zu verbessern, damit wir am Freitag das Spiel gewinnen.“
Meffert kennt Walter bereits aus gemeinsamen HSV-Zeiten. Einen direkten Vergleich mit damaligen schwierigen Situationen möchte er jedoch nicht ziehen.
Keine Angst vor dem Tabellenführer
Gerade für die jüngeren Spieler könnte der Druck der vergangenen Wochen zur Belastung werden. Meffert sieht dafür allerdings keinen Anlass. „Wir haben einen Trainer, der vorneweg geht und zeigt, dass man vor nichts Angst haben sollte.“
Möglicherweise könne es für den Kopf sogar helfen, nun gegen die derzeit erfolgreichste Mannschaft der Liga anzutreten – gegen eine spielstarke Mannschaft, gegen die man vielleicht selbst mal auf Umschaltmomente lauern könnte. Von der eigenen Spielidee will Holstein allerdings nicht abrücken. „Wir wollen unbedingt den Ball haben, wir wollen Fußball spielen. Das ist unsere Art.“ Und weiter: „Wir wollen unser Spiel auf unsere Art und Weise gewinnen. An diesem Weg arbeiten wir seit Wochen und diesen Weg wollen wir alle weitergehen.“
Räume allein reichen nicht
Dass ein offensiv auftretender Tabellenführer Holstein möglicherweise mehr Räume anbieten könnte als andere Gegner, sieht Meffert pragmatisch, denn Räume allein gewinnen keine Spiele. „Gegen Osnabrück habe ich auch Riesenräume gesehen. Dann müssen wir sie aber auch nutzen. Wenn wir sie nicht nutzen, bringt uns das auch nichts.“
Damit landet auch der Kapitän letztlich bei dem Thema, das die Kieler seit Wochen begleitet: Aufwand und Möglichkeiten müssen endlich in Ergebnisse umgemünzt werden. Diesmal soll darüber allerdings weniger gesprochen werden. Die Vorgabe des Sportchefs ist angekommen: zeigen statt reden.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

