Kasper Davidsen geht bei Holstein Kiel in seine zweite Saison – und seine Rolle könnte sich verändern. Der 21-Jährige möchte mehr Verantwortung übernehmen, spricht über die Kapitänsfrage, den gestiegenen Konkurrenzkampf und die Integration der Neuzugänge. Besonders persönliche Worte findet der Däne für seinen verletzten Teamkollegen Frederik Roslyng.
Aus dem jungen Neuzugang ist innerhalb eines Jahres ein etablierter Bestandteil des Kieler Mittelfelds geworden. Nun möchte Kasper Davidsen den nächsten Schritt machen. Dabei geht es dem Dänen nicht nur um Einsatzzeiten. Er will innerhalb der Mannschaft mehr Verantwortung übernehmen.
Davidsen möchte „mehr Leader“ werden
„Ich bin noch jung, aber ich habe schon viel gespielt. Deshalb muss ich auch Verantwortung übernehmen“, sagt Davidsen nach dem öffentlichen Training der Störche. Gerade auf seiner Position im Mittelfeld sei das entscheidend. Dabei gehe es sowohl um Kommunikation als auch um Verantwortung am Ball. „Ich muss mich darin verbessern, mehr Leader zu werden und mehr Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen.“ Auch die zahlreichen neuen Spieler verändern seine Rolle. Vor einem Jahr gehörte Davidsen selbst zu den Neulingen, mittlerweile kann er anderen bei der Eingewöhnung helfen.
Kapitän? „Das müsst ihr jemand anderen fragen“
Dass Tim Walter ihm Verantwortung zutraut, zeigte sich bereits während der Vorbereitung. Beim 2:1-Testspielsieg gegen Sønderjyske führte Davidsen die Störche nach seiner Einwechslung zur Pause sogar als Kapitän aufs Feld und erzielte den Siegtreffer. Ambitionen auf die Binde möchte er öffentlich trotzdem nicht anmelden. „Das müsst ihr jemand anderen fragen“, antwortet Davidsen lachend auf seine Chancen auf das Kapitänsamt. „Ich spiele einfach und genieße es.“ Bereit wäre er allerdings: „Ja, natürlich.“ Wer die Mannschaft in der kommenden Saison dauerhaft als Kapitän aufs Feld führt, entscheidet letztlich Tim Walter.
Konkurrenzkampf nimmt zu
Unabhängig davon dürfte auch Davidsen um seinen Platz kämpfen müssen. Holstein hat den Kader verstärkt und auf mehreren Positionen zusätzliche Optionen geschaffen. Davidsen begrüßt das. „Konkurrenz ist immer gut“, sagt der 21-Jährige. „Als Spieler willst du natürlich spielen. Aber wenn man das größere Ganze betrachtet, ist es gut, jemanden zu haben, der dich jeden Tag im Training fordert.“
Das habe er bereits in der vergangenen Saison erlebt. Für den Erfolg der Mannschaft sei letztlich entscheidend, dass Walter aus einem breiteren Kader die beste Formation auswählen könne. „Wir haben einen guten Kader, in dem es nicht nur elf Spieler gibt.“
Neuzugänge finden ihren Platz
Auch mit der Integration der zahlreichen Neuen zeigt sich Davidsen zufrieden. „Wir haben eine gute Gruppe – für junge und ältere Spieler und für alle, die neu dazukommen.“ Besonders Guillermo Balzi steht nach seinem Wechsel aus Europa über Argentinien vor einigen Veränderungen. Neben Walters Spielidee muss sich der 25-Jährige an ein neues Land und Umfeld gewöhnen. Davidsens erster Eindruck fällt positiv aus: „Er ist ein guter Spieler.“ Die Neuzugänge würden sich sowohl an die Mannschaft als auch an das System zunehmend anpassen.
Davidsen wünscht sich mehr Tore
Neben seiner neuen Rolle innerhalb der Mannschaft hat der Däne auch sportliche Entwicklungspunkte ausgemacht. Vor allem offensiv möchte er zulegen. Mehr Tore gehören zu seinen persönlichen Zielen. Zudem will er körperlich robuster werden und sich in Zweikämpfen noch besser behaupten.
Für die Mannschaft ist seine Zielsetzung bewusst weniger konkret. Einen bestimmten Tabellenplatz haben die Störche intern bislang nicht ausgerufen. „Wir sprechen nicht darüber, wo wir am Ende stehen wollen. Wir schauen auf unser Spiel und darauf, was wir verbessern müssen.“ Einen Wunsch nennt Davidsen trotzdem: „Ich möchte eine bessere Saison als die letzte.“
Mut macht ihm dabei auch die Entwicklung unter Walter in der Schlussphase der vergangenen Spielzeit. Trotz des Drucks habe die Mannschaft gezeigt, welches Potenzial in ihr steckt. Umso wichtiger sei diesmal ein guter Start.
Besondere Unterstützung für Roslyng
Persönlich wird Davidsen schließlich, als das Gespräch auf Frederik Roslyng kommt. Sein 20-Jähriger Landsmann fällt nach seiner schweren Verletzung länger aus und befindet sich derzeit in der Rehabilitation. „Es ist wirklich hart für ihn“, sagt Davidsen. Die Situation sei unvermittelt gekommen und mental alles andere als einfach.
Gerade deshalb versucht der Däne, seinem Teamkollegen zur Seite zu stehen. Die schwierigste Phase könnte aus seiner Sicht sogar erst noch kommen – nämlich dann, wenn Roslyng sich körperlich eigentlich wieder gut fühlt, aber weiterhin auf sein Comeback warten muss. „Ich helfe ihm so viel wie möglich, weil er das braucht. Ich bin sicher, dass er da durchkommt und stärker zurückkehren wird.“ Auf die Frage, ob er für Roslyng inzwischen so etwas wie der große Bruder sei, muss Davidsen lachen. „Ja, ein großer Bruder.“
Vielleicht ist gerade diese Antwort ein gutes Beispiel dafür, wie sich Davidsens Rolle bei Holstein innerhalb eines Jahres verändert hat. Der 21-Jährige will nicht mehr nur seinen Platz im Kieler Mittelfeld finden. Er möchte Verantwortung übernehmen – mit Ball, mit Worten und offenbar auch für seine Mitspieler.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

