Marcel Engelhardt trainiert täglich mit den Profis von Holstein Kiel, Pflichtspiele bestreitet er jedoch nur selten. Beim 5:1-Erfolg der U23 gegen den Heider SV stand der 33-Jährige nun wieder über die volle Distanz zwischen den Pfosten. Für den erfahrenen Schlussmann war es eine willkommene Gelegenheit, seinen Trainingsalltag unter Wettkampfbedingungen auf den Platz zu übertragen.
Seit 2023 gehört Marcel Engelhardt zu Holstein Kiel. Der frühere Torhüter des FSV Zwickau ist Teil des Profikaders und absolviert seine Einheiten auf Zweitliga-Niveau. In der internen Rangordnung ist er jedoch hinter den anderen Kieler Schlussmännern Timon Weiner und Lio Rothenhagen eingeordnet. Das führt zu einer ungewöhnlichen Situation: Engelhardt trainiert regelmäßig und gut auf höchstem Niveau, erhält aber kaum Möglichkeiten, Spielrhythmus aufzubauen. Gegen den Heider SV durfte er nun für die U23 ran. „Es hat viel Spaß gemacht und war ein schöner Kick am Abend.“
Bereit sein, ohne zu wissen, wann der nächste Einsatz kommt
Für Feldspieler lässt sich fehlende Spielpraxis zumindest teilweise durch Einwechslungen kompensieren. Bei Torhütern ist die Situation schwieriger. Entweder sie stehen von Beginn an im Tor – oder sie verbringen erneut 90 Minuten auf der Bank. Engelhardt kennt diesen Alltag inzwischen genau. „Man gewöhnt sich daran, aus dem Training heraus plötzlich spielen zu müssen.“
Der Routinier muss deshalb ständig vorbereitet sein. Auch wenn ein Einsatz nicht absehbar ist, darf die Konzentration im Training nicht nachlassen. Schließlich kann sich die Situation durch Verletzungen oder kurzfristige Entscheidungen schnell verändern. „Es ist immer wieder schön, ein Spiel zu bestreiten.“
Oberliga statt 2. Bundesliga
Natürlich lässt sich ein Einsatz in der Oberliga nicht vollständig mit einem Zweitligaspiel vergleichen. Das Tempo, der Druck und die individuelle Qualität unterscheiden sich deutlich. Dennoch bietet die U23 Engelhardt die Chance, wieder echte Spielsituationen zu erleben: Kommandos geben, Räume verteidigen, Flanken einschätzen und über 90 Minuten konzentriert bleiben. „Ich denke schon, dass es einfacher ist, in der Oberliga reinzukommen als direkt in der 2. Bundesliga.“
Beim frühen Gegentreffer durch Fabian Arndt war Engelhardt machtlos. Anschließend erlebte er über weite Strecken eine dominante Kieler Mannschaft, musste in der Schlussphase aber noch einmal aufmerksam sein, als Heide zu mehreren Abschlüssen kam.
Engelhardt akzeptiert seine Aufgabe
Der Torhüter macht aus seiner Position innerhalb des Profikaders keinen Hehl. Er kennt die Hierarchie und weiß, dass seine Aufgaben nicht ausschließlich an Einsatzminuten gemessen werden. „Ich kenne meine Rolle bei der ersten Mannschaft.“
Dazu gehört, im Training das Niveau hochzuhalten, die anderen Torhüter zu fordern und im Bedarfsfall sofort bereit zu sein. Gerade für einen erfahrenen Spieler ist diese Rolle mental anspruchsvoll: viel Arbeit, wenig Öffentlichkeit und nur selten die unmittelbare Belohnung eines Pflichtspieleinsatzes. Umso mehr genoss Engelhardt den Abend mit der U23.
Beeindruckt von der Mentalität der jungen Mannschaft
Nach der Begegnung sprach der Torhüter weniger über seine eigene Leistung als über die Einstellung seiner Vorderleute. Trotz der deutlichen Führung ließ Holstein nicht nach und setzte den Heider SV bis zum Schluss unter Druck. „Die Jungs haben bis zum Ende Gas gegeben und sind selbst beim Stand von 5:1 weiter vorne angelaufen.“ Für Engelhardt war der Einsatz damit mehr als lediglich eine Möglichkeit, Spielpraxis zu sammeln. Er war zugleich Teil einer jungen Mannschaft, die in dieser Saison hohe sportliche Ziele verfolgt.
Ob der 33-Jährige häufiger für die U23 auflaufen wird, bleibt offen. Sein Auftritt gegen Heide zeigte jedoch: Auch ohne regelmäßigen Wettkampfrhythmus ist Engelhardt bereit, wenn Holstein ihn braucht.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

