Trainer, Spieler, Frauenmannschaft und Alte Herren sind enttäuscht – der Vorstand verweist auf organisatorische Probleme
Während beim SC Fortuna Wellsee die Freude über den Aufstieg der ersten Herrenmannschaft in die Kreisliga noch groß ist, sorgt eine andere Entscheidung des Vereins derzeit für Diskussionen. Die zweite Herrenmannschaft wird in der kommenden Saison nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen.
Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Vereinsentscheidung wirkt, entwickelt sich bei näherem Hinsehen zu einem Thema, das weit über den Sport hinausgeht. Denn die Meinungen darüber, ob die Entscheidung richtig war, könnten unterschiedlicher kaum sein.
Eine Mannschaft mit besonderem Charakter
Vor rund drei Jahren entstand die Mannschaft um Trainer Kosta Schröder. Viele Spieler verfügten über einen internationalen Hintergrund, einige hatten zuvor keinen festen Platz im Vereinsfußball gefunden. Die Mannschaft entwickelte sich nach Aussagen der Beteiligten nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich zu einer festen Gemeinschaft.
Für viele Spieler sei das Team weit mehr gewesen als nur eine Mannschaft in der Kreisklasse C gewesen. Freundschaften seien entstanden, gemeinsame Aktivitäten hätten den Zusammenhalt gestärkt und zahlreiche Spieler hätten über den Fußball Anschluss gefunden. „Die Mannschaft war für viele ein sozialer Treffpunkt“, heißt es aus dem Umfeld des Teams.
Unterstützung aus den eigenen Reihen
Bemerkenswert ist dabei, dass die Kritik an der Entscheidung nicht ausschließlich von Trainer und Spielern kommt. Auch aus anderen Bereichen des Vereins wird Bedauern geäußert. Daniel Stemmann von den Alten Herren erklärt gegenüber NordKick: „Wir haben die zweite Herren immer gerne mit Spielern unterstützt und finden die Entscheidung vom Vorstand sehr schade. Es besteht ein Interesse von Mitgliedern des Vereins, dass die zweite weiterhin existiert.“
Ähnlich äußert sich die Frauenmannschaft des Vereins. „Zwischen der zweiten Herren und der Damenmannschaft besteht ein sehr guter Zusammenhalt. Es wird teilweise gemeinsam trainiert und sich gegenseitig unterstützt. Zudem gibt es auch Partnerschaften innerhalb der Mannschaften.“ Man habe sich deshalb aktiv für den Verbleib der Mannschaft eingesetzt und nach Lösungen gesucht. „Leider sind diese Bemühungen letztlich vergeblich geblieben. Die Entscheidung des Vereins können wir nicht verstehen und finden es sehr traurig und schade.“
Vorwürfe und Enttäuschung
Bei Trainer Kosta Schröder sitzt die Enttäuschung besonders tief. Er schildert, dass die Mannschaft bis kurz vor dem Meldeschluss davon ausgegangen sei, auch künftig am Spielbetrieb teilzunehmen. Die spätere Entscheidung des Vorstands habe viele Spieler überrascht und enttäuscht. Insbesondere stößt bei den Beteiligten auf Unverständnis, dass trotz der Unterstützung aus anderen Vereinsbereichen offenbar keine gemeinsame Lösung gefunden werden konnte. Im Umfeld der Mannschaft wird deshalb die Frage gestellt, ob wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, um die zweite Herrenmannschaft zu erhalten.
Vorstand widerspricht der Kritik
Der Vereinsvorstand weist die Darstellung zurück, die Entscheidung sei leichtfertig getroffen worden. Der 1. Vorsitzende Michael Kopelke erklärt gegenüber NordKick: „Der SC Fortuna Wellsee hat sich nach intensiver Beratung dazu entschieden, für die kommende Saison keine zweite Herrenmannschaft im Spielbetrieb zu melden.“ Die Entscheidung sei dem Vorstand nicht leicht gefallen. „Als Verein tragen wir jedoch die Verantwortung, die organisatorischen, personellen und sportrechtlichen Voraussetzungen für alle gemeldeten Mannschaften zuverlässig sicherzustellen. Dabei müssen wir stets die Interessen des gesamten Vereins im Blick behalten.“
Kopelke betont ausdrücklich, dass die Entscheidung keine Bewertung einzelner Personen darstelle. Zusätzlich verweist der Vorsitzende auf weitere Hintergründe: „Disziplinarische Aspekte und wiederkehrende organisatorische Herausforderungen waren Teil der Gesamtbetrachtung. Ausschlaggebend war jedoch nicht ein einzelner Vorfall, sondern die Frage, ob die Voraussetzungen für einen dauerhaft verlässlichen Spielbetrieb erfüllt werden können.“
Der SC-Vorsitzende hat auch warme Worte für die Enttäuschten übrig: „Wir bedanken uns bei allen Spielern, Trainern und Unterstützern der zweiten Herren für ihr Engagement in den vergangenen Jahren und bedauern, dass wir diese Entscheidung treffen mussten.“
Die eigentliche Frage
Genau an diesem Punkt wird die Diskussion interessant. Denn beide Seiten argumentieren nachvollziehbar. Auf der einen Seite steht eine Mannschaft, die für viele Beteiligte weit mehr als nur Fußball war. Eine Mannschaft, die offenbar Unterstützung aus anderen Vereinsabteilungen erhielt und deren Fortbestand sich zahlreiche Mitglieder gewünscht hätten.
Auf der anderen Seite steht ein Vorstand, der die Verantwortung für den gesamten Verein trägt und offenbar zu der Einschätzung gekommen ist, dass die organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen nicht mehr ausreichen.
Die Frage lautet daher nicht nur, ob die Entscheidung richtig oder falsch war. Die eigentliche Frage lautet: Wie viel Verantwortung hat ein Verein für soziale Strukturen, die über den reinen Spielbetrieb hinausgehen? Und wann dürfen organisatorische Zwänge schwerer wiegen als der Wunsch, eine gewachsene Gemeinschaft zu erhalten?
Diskussion dürfte weitergehen
Die Debatte um Fortuna Wellsee II dürfte mit der Entscheidung jedenfalls nicht beendet sein. Während die erste Mannschaft ihre Kreisliga-Saison vorbereitet und sich der Verein über die Rückkehr seiner Frauenmannschaft freut, bleibt bei vielen Beteiligten Enttäuschung zurück.
Vielleicht zeigt dieser Fall auch, dass Amateurfußball manchmal deutlich mehr ist als Punkte, Tabellen und Aufstiege. Denn manchmal geht es um Menschen, Gemeinschaft – und die Frage, welchen Platz solche Werte in einem modernen Sportverein noch haben.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.
