Besondere HSV-PK mit Merlin Polzin: Als plötzlich Kinder die Fragen stellten

Du betrachtest gerade Besondere HSV-PK mit Merlin Polzin: Als plötzlich Kinder die Fragen stellten
Es war eine ganz besondere Pressekonferenz mit HSV-Trainer Merlin Polzin im Volksparkstadion

Vor dem Heimspiel des HSV gegen die TSG Hoffenheim ging es im Volksparkstadion diesmal nicht nur um Personal, Taktik und Tabellenkonstellationen. Die Pressekonferenz mit Trainer Merlin Polzin wurde zu einer besonderen Ausgabe – denn neben den Journalisten durften auch Kinder mit auf das Podium der Fragesteller. Und genau das verlieh dem Termin einen ganz eigenen Charme.

Mehr als 45 Minuten nahm sich Polzin Zeit, antwortete ausführlich, aufmerksam und mit viel Ruhe. Es war eine Pressekonferenz, die zeigte, wie nahbar der HSV-Coach sein kann – und wie sehr ihm der Austausch, auch über den reinen Fußball hinaus, offenbar liegt.

Polzin wirbt für Ruhe und Klarheit

Sportlich richtete der 35-Jährige den Fokus klar auf das Heimspiel gegen Hoffenheim. Trotz der angespannten Lage im Tabellenkeller, Verletzungssorgen und der jüngsten Niederlagen wollte Polzin nichts von Hektik wissen. Vielmehr betonte er erneut, worauf es für ihn in der aktuellen Situation ankommt. „Wir sind weiterhin auf einem sehr gutem Weg, das Saisonziel zu erreichen“, sagte der HSV-Trainer. Entscheidend sei, „dass wir uns darauf fokussieren, was wir beeinflussen können, was wir kontrollieren können“.

Dabei machte Polzin deutlich, dass er sich weder von äußeren Diskussionen noch von der Tabellensituation verrückt machen lassen will. Der Blick gehe auf das, „wie wir die Spiele angehen“, auf Trainingsleistung, Haltung und Überzeugung. Gegen Hoffenheim, eine Mannschaft mit klaren Europapokal-Ambitionen, brauche es laut Polzin „sehr, sehr kompakte enge Abstände“, „klare Verhaltensweisen“ und gleichzeitig den Mut, selbst mit Ball Lösungen zu finden.

Sorgen in der Defensive – aber keine Ausreden

Personell bleibt die Lage beim HSV schwierig. Miro Muheim fällt mit Sprunggelenksproblemen aus, ebenso Yussuf Poulsen und Luka Vuskovic. Bei Philip Otele hofft der HSV noch auf eine Reduzierung der Sperre, nachdem Polzin den Austausch mit Schiedsrichter Florian Exner nach dem Nordderby als „sehr sachlich“ beschrieben hatte.

Auch wenn gerade der Ausfall von Vuskovic wehtut, wollte Polzin daraus kein Dauerthema machen. „Es bringt halt absolut nichts, dem hinterherzutrauern“, sagte er. Stattdessen gehe es darum, Lösungen zu finden. Sein Vertrauen in die Spieler, die nun gefragt sind, sei groß.

Kinderfragen sorgen für besondere Momente

Den eigentlichen Reiz bekam diese Pressekonferenz aber durch die Kinder im Raum. Nachdem zunächst die Journalisten ihre Fragen gestellt hatten, waren die jungen Gäste an der Reihe – und die sorgten für frische, direkte und teilweise herrlich unbefangene Momente.

So wollte ein Junge wissen, warum manche Spieler am Spieltag spielen dürfen und andere nicht. Polzin erklärte das geduldig und nachvollziehbar: Wer spielt, habe gut trainiert, Leistungen gezeigt oder passe besonders gut zum Gegner. Und auch die Spieler, die zunächst draußen säßen, seien meist leicht zu motivieren: „Jeder Spieler will unbedingt mit dem Ball spielen und nicht so gerne von draußen zuschauen.“

Besonders schön wurde es, als ein Kind fragte, welcher Bundesliga-Spieler dem HSV helfen würde, wenn Geld keine Rolle spielte. Polzin musste kurz schmunzeln und nannte dann Joshua Kimmich. Der Bayern-Profi sei „nicht nur von der Qualität her sehr beeindruckend, sondern auch vom Kopf her“, ein „Liederspieler“, der „jeder Mannschaft gut“ tue.

Klassenarbeiten, Superkräfte und die Zukunft ohne Stars

Eine weitere Kinderfrage drehte sich um Druck – und darum, ob man sich vom Profi-Fußball etwas für Klassenarbeiten abschauen könne. Polzin lieferte eine bemerkenswert einfache und starke Antwort: Wer sich gut vorbereite, müsse Druck nicht fürchten. „Wenn du dich richtig, richtig gut auf etwas vorbereitest, ob das jetzt ein Fußballspiel ist oder eine Klassenarbeit, dann hast du ja gar nicht so viel zu befürchten.“

Danach wurde es kreativ. Welche drei Superkräfte würde er sich für die nächsten Spiele wünschen? Polzin sprach davon, die Energie aus dem Stadion direkt auf den Platz übertragen zu können. Ein „Knopf“, durch den die Spieler noch schneller würden, gefiel ihm ebenfalls. Und als die Frage kam, was der HSV macht, wenn Spieler wie Fabio Vieira oder Luka Vuskovic irgendwann nicht mehr da sind, verwies der Trainer auf das Vertrauen in die sportliche Führung: Dann müsse der Verein eben wieder Spieler finden, „wo du auch ins Stadion gehst und sagst: Das ist ein cooler Spieler.“

Polzin zeigt Haltung – und Humor

Die PK zeigte nicht nur einen konzentrierten Bundesligatrainer, sondern auch einen Menschen, der mit Situationen umgehen kann. Als ein Kind fragte, welche Auswirkungen es habe, dass Co-Trainer Loïc Favé gesperrt neben ihm fehle, antwortete Polzin trocken: Erstmal wird es deutlich ruhiger hinter mir.“ Ein Satz, der für Lacher sorgte – und die besondere Atmosphäre dieses Termins noch einmal unterstrich.

Gerade in einer Phase, in der beim HSV sportlich viel auf dem Spiel steht, wirkte diese Pressekonferenz fast wie ein Gegenentwurf zum üblichen Geschäft: weniger Schärfe, weniger Alarmismus, dafür mehr Persönlichkeit, Offenheit und Nähe.

Ein besonderer Termin vor einem wichtigen Spiel

Am Ende blieb der Eindruck, dass diese Pressekonferenz mehr war als nur die übliche Vorschau auf Hoffenheim. Sie war ein sympathischer Termin mit Tiefgang, in dem Merlin Polzin nicht nur über Pressing, Personal und Spielpläne sprach, sondern auch über Haltung, Vorbereitung und Verantwortung.

Oder anders gesagt: Es war eine PK, in der es um Bundesliga ging – aber eben auch darum, wie man Kinder für Fußball begeistert. Und das gelang dem HSV an diesem Tag ziemlich gut.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

Schreibe einen Kommentar