Darum saß Neuzugang Kjell Knaak auf der Bank: Interview mit Willi Weiße

Kjell Peeke Knaak ist mit 13 Treffern aktuell Zweiter der Torjägerliste in der Oberliga Schleswig-Holstein. In der Winterpause wechselte er vom MTSV Hohenwestedt zur U23 von Holstein Kiel – gegen Kilia Kiel kam er allerdings erst in der 88. Minute ins Spiel. Nach dem 2:0-Erfolg sprach NordKick mit Trainer Willi Weiße über die Personalie Knaak, taktische Anpassungen und die Entwicklung seiner Mannschaft.

Willi, du hast heute mit Mittelfeldspieler Muqaj Hamza als Mittelstürmer begonnen, warum?

Wir haben uns schon Gedanken gemacht, was in der Rückrunde passieren soll. Grundsätzlich wollten wir von unseren Abläufen nicht komplett abweichen, aber wir haben ein Detail angepasst. Es ging dabei gar nicht speziell um Hamza als Person, sondern darum, insgesamt flexibler zu sein. Ich finde, das haben die Jungs gut umgesetzt – und es freut mich umso mehr, dass er sich mit dem 1:0 belohnen konnte.

Neuzugang und Torjäger Kjell Knaak kam erst spät rein. Viele fragen sich: Warum?

Erstmal freuen wir uns mega, dass er da ist. Wir sind sehr, sehr glücklich mit ihm. Aber er hatte keine richtige Vorbereitung. Er war zweieinhalb Wochen krank, und dann haben wir sein Trainingsvolumen bewusst gesteuert. Wir wollen ihn aufbauen.

Dazu kam die Platzsituation: Wir waren viel in der Soccerhalle oder auf Kunstrasen. Beim Masters haben wir ihn sogar rausgenommen, weil wir da kein Risiko eingehen wollten. Mit seiner Vorgeschichte – Stichwort Kreuzbandriss – wollten wir nichts überstürzen. Er musste in der Vorbereitung ein bisschen mehr leiden, das klingt hart, aber wir wollten ihn schützen.

War die erste Halbzeit besser als die zweite – oder war das Teil des Matchplans Kilia im zweiten Abschnitt kommen zu lassen?

Kilia bietet dir schon Räume an, weil sie selbst gerne viel Ballbesitz haben. Da bekommst du Ballgewinne und Kontermöglichkeiten. Das war ein Teil unserer Lösung – gerade mit unseren schnellen Spielern vorne.

In der zweiten Halbzeit hat Kilia das aber auch gut gemacht. Sie haben sich besser aus unserer Zuordnung gelöst, mehr Ruhe ins Spiel gebracht. Wir mussten eine Phase überstehen, hatten einen Mega-Save von Etienne Sohn dabei. Aber genau solche Phasen zu überstehen, ist für uns total wichtig. In der Hinrunde haben wir solche Druckphasen nicht immer sauber wegverteidigt. Heute haben wir das als Gruppe besser gemacht.

Du hast Kilia im Vorfeld als Top-Team bezeichnet. Hat dich etwas überrascht?

Mit Ball haben sie eine klare Idee, das sieht man. Gegen den Ball war ich ein bisschen überrascht, dass sie Mann gegen Mann gepresst haben und nicht so wie im Hinspiel. Aber insgesamt war uns bewusst, dass wir auch mal Phasen verteidigen müssen. Das haben wir heute gut gelöst.

Wie wichtig ist dieser Sieg für die kommenden Wochen?

Sehr wichtig. Nicht nur wegen der Punkte, sondern wegen der Art und Weise. Ich finde, wir haben heute als Gruppe ein gutes Spiel gemacht. Wir haben gemeinsam verteidigt, füreinander gearbeitet und Druckphasen überstanden. Das gibt uns Selbstvertrauen.

Du hast in der Rückrunde weniger Jungprofis zur Verfügung als noch vor dem Winter. Wie sehr verändert das deine Arbeit?

Ich sage immer: ein lachendes und ein weinendes Auge. Natürlich verlieren wir individuelle Qualität, da ein paar Jungprofis nun verliehen sind. Aber mein Einflussbereich unter der Woche wird größer.

Letztes Jahr hatte ich teilweise vier oder fünf Leihspieler aus der Ligamannschaft am Wochenende. Jetzt sind es weniger. Das heißt: Das, was wir unter der Woche trainieren und entwickeln, hat mehr Gewicht. Und das finde ich als Trainer auch reizvoll.

Interview und Bilder: Ole Jacobsen.