Holstein Kiel steht vor dem ersten Heimspiel der neuen Saison im Holstein-Stadion. Für Kasper Davidsen wird die Partie in mehrfacher Hinsicht besonders: Der 21-jährige Däne ist inzwischen dritter Kapitän der Störche, trifft auf einen ehemaligen Trainer und soll zugleich eine wichtige Rolle für die jungen Spieler im Kader übernehmen. Nach dem zuletzt enttäuschend empfundenen Unentschieden in Darmstadt ist die Marschrichtung für Freitag klar.
Die Stimmung bei Holstein Kiel ist trotz des jüngsten Remis und der Kritik von Trainer Tim Walter an seiner Mannschaft weiterhin gut. Ganz so spurlos ging die Partie allerdings nicht an der Mannschaft vorbei. Davidsen machte nach dem öffentlichen Training deutlich, dass sich der Punktgewinn intern eher wie eine Niederlage angefühlt habe. „Es hat sich angefühlt, als hätten wir das Spiel verloren.“
Der Grund: Holstein hatte geführt und die Partie aus Sicht des 21-Jährigen eigentlich kontrolliert. Genau daran wurde in den vergangenen Tagen gearbeitet. „Wir haben uns ein paar Videos angeschaut und analysiert, was wir besser machen müssen und wie wir so ein Spiel beenden können.“ Für Davidsen ist die Reaktion der Mannschaft dabei ein gutes Zeichen. Dass sich selbst ein Remis unbefriedigend anfühlt, wertet er als Ausdruck des eigenen Anspruchs. „Ich denke, die Mentalität im Team ist gut, weil wir jedes Spiel gewinnen wollen.“
Erstes Heimspiel unter ungewohnten Bedingungen
Am Freitag wartet nun das erste Heimspiel der Saison. Dabei wird das Holstein-Stadion durch die fehlende Tribüne ein ungewohntes Bild abgeben. Für Davidsen ist das jedoch kein Thema, an dem sich die Mannschaft aufhalten sollte. „Es gibt nichts, was wir daran ändern können. Es ist so, wie es ist, und wir müssen uns daran gewöhnen.“
Natürlich sei es ungewohnt, auf einer Seite des Stadions keine Fans stehen zu haben. Davidsen hofft aber darauf, dass die übrigen Bereiche für eine entsprechend gute Atmosphäre sorgen. Mit einem Schmunzeln stellte der Däne fest, dass dadurch die Richtung für mögliche Torjubel zumindest klar sei.
Wiedersehen mit dem Ex-Trainer
Zusätzliche Brisanz erhält das Nordderby gegen den FC St. Pauli am kommenden Freitag durch das Wiedersehen mit dem früheren Holstein-Trainer Marcel Rapp. Davidsen selbst kennt ihn aus seiner ersten Saison in Kiel und beschreibt das Verhältnis als gut. Eine besondere Motivation leitet er daraus allerdings nicht ab. „Es ist natürlich schön, ihn wiederzusehen. Aber es ist Fußball, wir müssen professionell sein und das Spiel gewinnen.“
Der frühere Coach genießt nach Davidsens Aussage innerhalb des Vereins und bei vielen Spielern weiterhin großes Ansehen. Entsprechend werde es vor oder nach dem Spiel sicherlich Gespräche geben. Während der 90 Minuten soll das jedoch keine Rolle spielen.
Neue Rolle als dritter Kapitän
Für Davidsen persönlich hat sich seine Position innerhalb der Mannschaft inzwischen deutlich verändert. Der 21-Jährige gehört seit dieser Saison zur Kapitänsgruppe und fungiert hinter Jonas Meffert und Ivan Nekić als dritter Spielführer. Für den in Aalborg geborenen Mittelfeldspieler ist diese Entscheidung vor allem eine Auszeichnung. „Es ist wirklich eine Ehre für mich, der dritte Kapitän zu sein.“
Davidsen versteht seine Rolle dabei nicht nur sportlich. Vor allem für die zahlreichen jungen Spieler im Kader möchte er Ansprechpartner sein. „Mein größtes Ziel ist es, der Kapitän für die jungen Spieler zu sein, mich um sie zu kümmern und für sie da zu sein, wenn sie Hilfe brauchen.“ Damit übernimmt Davidsen bereits mit 21 Jahren Verantwortung in einer Mannschaft, in der der Konkurrenzkampf groß ist und gleichzeitig viele junge Spieler an höhere Aufgaben herangeführt werden sollen.
Klare Marschroute für Freitag
Das Remis vom vergangenen Wochenende ist aufgearbeitet. Jetzt soll der Fokus wieder vollständig auf dem nächsten Spiel liegen. Davidsen erwartet eine intensive Partie – und formuliert den Anspruch der Mannschaft sehr klar. Das Wiedersehen mit dem ehemaligen Trainer, die Baustellensituation im Stadion oder die besondere Derby-Atmosphäre seien Nebengeräusche.
Entscheidend sei etwas anderes: „Wir müssen uns auf das Spiel konzentrieren und es gewinnen.“
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

