Das Ergebnis enttäuschte, doch einen Gewinner gab es beim 1:1 gegen Osnabrück trotzdem: Noah Madsen feierte sein Startelf-Debüt für Holstein Kiel – und überzeugte nicht nur Tim Walter. Der 25-Jährige Neuzugang zeigte dabei ausgerechnet jene Eigenschaften, die sein Trainer von einem Innenverteidiger in seinem System verlangt.
Sein Startelf-Debüt kam kurzfristiger als erwartet. Noah Madsen rückte gegen den VfL Osnabrück in die Kieler Anfangsformation und bildete gemeinsam mit David Zec das Innenverteidiger-Duo der Störche. Dass Walter ihm die Chance gab, hing auch mit einer Verletzung von Ivan Nekic im Abschlusstraining zusammen. Der Trainer entschied sich für seinen neuen Innenverteidiger. Eine Entscheidung, die er anschließend nicht bereute. „Noah hat wirklich ein sehr gutes Spiel gemacht“, sagte Walter nach der Partie. Und legte sogar noch nach: „Er hat es wirklich grandios gemacht.“
Ein Innenverteidiger nach Walters Geschmack
Bemerkenswert war dabei nicht nur, wie Madsen spielte, sondern vor allem, wo er überall auftauchte. Der Innenverteidiger beschränkte sich keineswegs darauf, die letzte Linie abzusichern. Immer wieder rückte er mit Ball nach vorne, schob ins Mittelfeld und tauchte teilweise in Räumen auf, in denen man einen klassischen Innenverteidiger kaum erwarten würde.
Mutig, selbstbewusst und technisch sauber. Genau das verlangt Walter von seinen Verteidigern. Der Trainer hatte erst zwei Tage zuvor ausführlich erklärt, dass sein Spiel mit Ball bewusst fluide angelegt sei. Außen- oder Innenverteidiger können ins Zentrum rücken, um dort Überzahlsituationen herzustellen. Madsen setzte diese Idee bei seinem Startelf-Debüt erstaunlich selbstverständlich um.
Auch Meffert lobt den Neuling
Das blieb auch seinen Mitspielern nicht verborgen. Kapitän Jonas Meffert zeigte sich anschließend ebenfalls angetan: „Er hat es super gemacht, hundert Prozent.“ Besonders gefiel Meffert die Haltung des jungen Verteidigers: „Er hat auch dieses Selbstvertrauen, dieses Selbstbewusstsein reingebracht, was wir bei unserem Fußball immer gebrauchen können – das hat er definitiv verkörpert.“
Gerade dieser Zusatz ist interessant. Denn Walters Fußball verlangt von seinen Spielern den Mut, auch unter Druck Lösungen mit dem Ball zu suchen. Der Trainer nimmt dafür Fehler seiner jungen Spieler ausdrücklich in Kauf und betrachtet sie als Bestandteil ihrer Entwicklung. Madsen zeigte bei seinem ersten Startelfeinsatz, warum Walter diesen Weg gehen möchte.
Eine neue Option für Walter
Aus einem gelungenen Spiel sollte noch kein Stammplatz abgeleitet werden. Zumal sich die personelle Situation bei Holstein nach der Länderspielpause durch weitere Rückkehrer entspannen dürfte. Aber Madsen hat Walter eine zusätzliche Option gegeben. Und vielleicht war sein Auftritt deshalb auch ein kleiner Beleg für jene Philosophie, die der Trainer trotz des ausbleibenden Erfolgs vehement verteidigt.
Junge Spieler bekommen Vertrauen. Sie sollen mutig Fußball spielen, Verantwortung übernehmen und sich entwickeln. Beim Ergebnis gegen Osnabrück ging Walters Rechnung erneut nicht vollständig auf. Bei Noah Madsen dagegen schon.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

