Der Klassenerhalt war bereits geschafft, die große Spannung raus – und genau das war dem Spiel von Holstein Kiel gegen den 1. FC Magdeburg über weite Strecken, spätestens aber nach dem 0:1 anzumerken. Während die Kieler befreit aufspielen konnten, kämpften die Gäste noch mit aller Macht gegen den Abstieg – und genau diese unterschiedlichen Ausgangslagen spiegelten sich letztlich auch im Ergebnis wider.
Vor über 14.000 Zuschauern verlor Holstein sein letztes Heimspiel der Saison und auch das letzte Heimspiel im „alten“ Holsteinstadion vor dem kommenden Umbau, verdient mit 1:3. Besonders nach dem Seitenwechsel wirkten die Gäste bissiger, klarer und entschlossener.
Früher Schock um Davidsen – Schwab plötzlich im Fokus
Schon nach wenigen Minuten musste Holstein den ersten Rückschlag verkraften. Kasper Davidsen verletzte sich früh und konnte nicht weitermachen. Für ihn kam Stefan Schwab in die Partie – ausgerechnet jener Spieler, um den es zuletzt Diskussionen im Umfeld gegeben hatte. Kapitän Jonas Meffert hatte letztes Wochenende noch öffentlich für Zusammenhalt geworben und sich klar hinter seinen Teamkollegen gestellt. Dieses Mal gab es vor der Partie sogar Sprechchöre aus dem Holstein-Fanblock für Storch Schwab.
Sportlich entwickelte sich zunächst ein durchaus ansehnliches Zweitligaspiel. Beide Mannschaften wollten Fußball spielen, liefen hoch an und arbeiteten intensiv gegen den Ball. Holstein hatte dabei zwischen der fünften und 30. Minute sogar leichte Vorteile. Adrian Kapralik prüfte den Ex-Kieler Dominik Reimann im Magdeburger Tor mit einem Distanzschuss, später setzte Stefan Schwab Umut Tohumcu stark in Szene, dessen Abschluss jedoch noch geblockt wurde.
Magdeburg schlägt eiskalt zu
Doch während Kiel den Ball nicht im Tor unterbrachte, zeigte sich Magdeburg gnadenlos effizient. In der 40. Minute herrschte nach einer Hereingabe Chaos im Kieler Strafraum, Jean Hugonet stocherte den Ball schließlich aus kurzer Distanz zum 0:1 über die Linie.
Besonders bitter: Quasi mit dem Pausenpfiff erhöhte der FCM nach einer weiteren Standardsituation sogar noch auf 0:2. Dariusz Stalmach traf per Kopf – erneut sah die Kieler Defensive dabei alles andere als sattelfest aus. „Wenn man drei Standardgegentore bekommt, dann hat man es auch nicht verdient“, sagte Kapitän Jonas Meffert nach der Partie ehrlich.
Atik entscheidet die Partie – und kündigt sein Tor sogar an
Nach dem Seitenwechsel war deutlich zu spüren, dass es für die Gäste um enorm viel ging. Magdeburg lief mehr, attackierte aggressiver und wirkte gedanklich einfach frischer. In der 55. Minute verpasste der FCM zunächst noch die Vorentscheidung bei einer Doppelchance. Nur Sekunden später fiel sie dann aber doch – kurioserweise nach einer direkt verwandelten Ecke.
Baris Atik schlug den Ball scharf auf den ersten Pfosten. Niemand kam mehr entscheidend ran, die Kugel flog direkt ins Netz zum 0:3. Das Besondere daran: Atik hatte die Aktion tatsächlich genau so geplant und vorher den Reservespielern beim Warmlaufen gesagt, dass er es jetzt versuchen werde, den Ball direkt im Tor unterzubringen. „Ich habe gesehen, dass am ersten Pfosten keiner richtig gedeckt hat. Dann habe ich mir gedacht: Komm, versuchst du es mal“, erklärte der Magdeburger Matchwinner später grinsend in der Mixed Zone.
Der Offensivspieler machte gleichzeitig deutlich, wie groß der Druck beim FCM weiterhin ist: „Wir werden diesen Verein niemals im Stich lassen. Nächste Woche gehen wir auch gegen Kaiserslautern wieder voll rein.“
Holstein fehlte der letzte Hunger
Je länger das Spiel dauerte, desto deutlicher wurde der Unterschied in der mentalen Ausgangslage beider Teams. Kiel hatte den Klassenerhalt bereits fixiert, Magdeburg kämpfte ums nackte Überleben in der Liga. Lasse Rosenboom sprach genau diesen Punkt später offen an: „Vielleicht sind das genau diese Nuancen gewesen. Für Magdeburg ging es heute um unfassbar viel.“
Der Außenverteidiger ärgerte sich vor allem über die Gegentore nach Flanken: „Wir haben die drei Flanken einfach verkackt.“ Auch Meffert räumte ein, dass der ganz große Druck womöglich doch fehlte: „Andere Situation definitiv. Vielleicht hat die letzte Konsequenz gefehlt.“
Kapralik sorgt immerhin noch für den Schlusspunkt
Ganz aufstecken wollten die Kieler dennoch nicht. In der Nachspielzeit bereitete der eingewechselte Alexander Bernhardsson stark vor, Adrian Kapralik grätschte den Ball aus kurzer Distanz schließlich zum 1:3-Endstand über die Linie. Mehr als Ergebniskosmetik war das allerdings nicht mehr.
Die größte Szene nach dem Anschlusstreffer gehörte sogar erneut Dominik Reimann, der gegen einen Distanzschuss von Niklas Niehoff zunächst unsicher wirkte, den Nachschuss von Bernhardsson aber stark parierte – und auch vor dem 1:3 hielt Reimann überragend gegen den völlig frei stehenden Schwab.
Tim Walter umarmt Atik minutenlang
Eine bemerkenswerte Szene spielte sich nach Abpfiff auf dem Rasen ab. Holstein-Trainer Tim Walter nahm Baris Atik minutenlang in den Arm und gratulierte ihm ausführlich zur Leistung. Der Magdeburger Spielmacher hatte mit seinem angekündigten Eckentor und einer insgesamt starken Leistung großen Anteil daran, dass der FCM nun ganz dicht vor dem Klassenerhalt steht.
Für Holstein dagegen war es ein Dämpfer zum Heimabschluss – wenn auch einer, der angesichts der bereits gesicherten Zweitliga-Zugehörigkeit wohl schnell abgehakt werden dürfte.
Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

