„Intelligente Menschen machen den gleichen Fehler nicht zwei Mal“ – Wer steht auf der Kippe?

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David Zec versucht das Publikum nach einem gewonnenen Zweikampf anzupeitschen - dennoch verlor er einen entscheidenden selbst

Vier Gegentore in zwei Spielen, dazu mehrere hochkarätige Chancen für die Gegner nach eigenen Fehlern: Holstein Kiel zeigt unter Tim Walter offensiv bereits viel von dem Fußball, den der Trainer sehen möchte. Doch defensiv bringen sich die Störche bislang regelmäßig selbst in Schwierigkeiten. Besonders die Innenverteidigung um Ivan Nekic und David Zec steht dabei im Fokus. Dass gleichzeitig Gerüchte um einen weiteren Innenverteidiger kursieren, passt ins Bild.

Zwei Spiele, zwei Punkte und zweimal 2:2. Oberflächlich betrachtet ist Holstein Kiel zumindest konstant in die neue Zweitliga-Saison gestartet. Schaut man genauer hin, könnten die beiden Unentschieden allerdings kaum unterschiedlicher zustande gekommen sein. Beim SV Darmstadt 98 verspielten die Störche eine 2:0-Führung. Gegen den FC St. Pauli war es genau andersherum: Kiel lag zur Pause 0:2 hinten und kämpfte sich durch Phil Harres und Jonas Therkelsen noch zurück.

Ein Problem zieht sich jedoch durch beide Partien: Holstein macht es seinen Gegnern zu einfach, zu großen Torchancen zu kommen. Trainer Tim Walter fand dafür nach dem 2:2 gegen St. Pauli einen ziemlich passenden Begriff: „Ich glaube, wir haben heute wieder ein paar Geschenke verteilt.“

Nekic erneut im Mittelpunkt

Schon nach dem Auftakt in Darmstadt war Ivan Nekic in den Fokus geraten. Walter hatte seinen zweiten Kapitän anschließend öffentlich deutlich kritisiert und dessen Verhalten in einer entscheidenden Phase des Spiels als einen Grund dafür ausgemacht, dass die Partie nach der 2:0-Führung noch kippte.

Gegen St. Pauli folgte für den Innenverteidiger der nächste schwierige Abend. Keine drei Minuten waren gespielt, als ein Fehler von Nekic Martijn Kaars plötzlich freie Bahn verschaffte. Der Stürmer lief alleine auf Timon Weiner zu. Nur eine starke Fußabwehr des Keepers verhinderte den frühen Rückstand.

Beim 0:1 in der 32. Minute stand Nekic erneut im Zentrum einer unglücklichen Kieler Aktion. Der Ball landete schließlich bei Kaars, der seine zweite große Gelegenheit diesmal nutzte. Und damit nicht genug. Kurz vor der Pause leistete sich diesmal Innenverteidiger-Kollege David Zec tief in der eigenen Hälfte den folgenschweren Ballverlust. St. Pauli schaltete schnell, brachte den Ball ins Zentrum und Taichi Hara musste zum 0:2 nur noch vollenden. Zwei Gegentore – zweimal hatte Holstein kräftig mitgeholfen.

Walter: „Weniger Geschenke verteilen“

Genau das ärgerte Walter nach der Partie. Nicht grundsätzlich der mutige Ansatz seiner Mannschaft. Nicht einmal die Tatsache, dass bei diesem Fußball Fehler entstehen können. Sondern deren Häufigkeit und Konsequenzen. „Fehler passieren. Fehler sind menschlich und die werden auch immer wieder vorkommen. Die kann man einfach nicht abstellen.“ Dann folgte jedoch der entscheidende Zusatz: „Wir sollten aber versuchen, weniger Geschenke zu verteilen.“

Das beschreibt Holsteins bisherigen Saisonstart ziemlich treffend. Denn spielerisch funktionieren bereits viele Dinge. Gegen St. Pauli hatte Kiel 64 Prozent Ballbesitz, gab 19 Torschüsse ab und drängte den Bundesliga-Absteiger insbesondere im zweiten Durchgang weit zurück. Nur musste Holstein zunächst einmal einem 0:2 hinterherlaufen, das zu erheblichen Teilen selbst verursacht war. Walter brachte den Widerspruch auf den Punkt: „Wir haben das Spiel grundsätzlich dominiert und gehen dann etwas unverständlich mit 0:2 in die Halbzeit.“

Weiner verhindert noch größeren Schaden

Dass Kiel überhaupt die Möglichkeit bekam, zurückzukommen, hatte allerdings auch mit Timon Weiner zu tun. Der Torhüter verhinderte nicht nur nach wenigen Minuten gegen Kaars das 0:1. Auch nach Harres‘ Anschlusstreffer war Weiner mehrfach zur Stelle, als St. Pauli bei schnellen Gegenangriffen die Kieler Defensive überspielte. Das mögliche 1:3 lag zeitweise näher als das 2:2. Weiner selbst wollte die individuellen Fehler seiner Vorderleute anschließend nicht dramatisieren. „Wir wollen mutig spielen. Da passieren Fehler. Das ist uns allen bewusst.“ Doch auch der Keeper schob hinterher: „Trotzdem dürfen die Fehler am Ende in den Spielen nicht passieren.“ Und noch eine seiner Aussagen lässt aufhorchen: „Intelligente Menschen machen die gleichen Fehler nicht zweimal.“ Wen könnte er gemeint haben?

Der Preis für Walters Fußball?

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Hat Holstein ein Qualitätsproblem in der Innenverteidigung – oder sind die Fehler zumindest teilweise der Preis für Tim Walters riskanten Fußball? Die Kieler sollen flach eröffnen, Lösungen unter Druck suchen und mutig bleiben. Innenverteidiger werden dabei zwangsläufig in Situationen gebracht, in denen ein Fehlpass erheblich gefährlicher ist als bei einem langen Ball Richtung Mittellinie.

Walter will dieses Risiko. Mut ist also ausdrücklich erwünscht. Leichtsinn nicht. Genau diese Grenze muss Holstein möglichst schnell finden.

Artikel und Bild: Ole Jacobsen.

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