Kommentar: War Marcel Rapp das Bauernopfer der verfehlten Personalplanung?

Die Entlassung von Marcel Rapp bei Holstein Kiel wirft nicht nur die Frage nach einem Neuanfang auf, sondern auch die Frage nach den eigentlichen Ursachen. Denn es ist offensichtlich, dass der Trainerwechsel nur die Spitze des Eisbergs ist. Tatsächlich muss man sich fragen, ob Rapp letztlich das Bauernopfer einer verfehlten Personalpolitik ist, die über die letzten zwei Jahre von den Verantwortlichen für die Kaderplanung gesteuert wurde.

Kader nicht konkurrenzfähig

Man kann konstatieren, dass es Holstein Kiel nicht gelungen ist, nach dem Bundesliga-Aufstieg einen Kader zusammenzustellen, der konkurrenzfähig ist. Die Frage steht im Raum, ob das überhaupt gewollt war oder ob man vielmehr bewusst darauf setzte, finanziell vorsichtig zu sein, anstatt in Qualität zu investieren. So kam es, dass man nach dem Aufstieg und dem Abstieg aus der Bundesliga zwar Spieler abgab – etwa Leistungsträger aus dem sogenannten „Kieler Weg“ – und dafür eher günstigere Spieler aus dem Balkan oder Skandinavien (Letzteres macht natürlich aufgrund der Nähe zu Schleswig-Holstein mehr Sinn) holte, ohne aber die nötige Qualität für die Bundesliga oder einen stabilen Zweitligakader sicherzustellen.

Marcel Rapp verabschiedet sich

Marcel Rapp verabschiedete sich mit würdevollen Worten, die die KSV in einer Pressemitteilung bekannt gab: „Ich blicke mit großer Dankbarkeit und ebenso großer Überzeugung auf meine Zeit bei Holstein Kiel zurück. Wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam eine klare sportliche Identität entwickelt, Strukturen aufgebaut und mit dem Aufstieg in die Bundesliga Vereinsgeschichte geschrieben. Dieser Erfolg war das Ergebnis harter, kontinuierlicher Arbeit und einer starken Geschlossenheit innerhalb des gesamten Clubs. Nach dem Umbruch im Sommer befanden wir uns in einem anspruchsvollen, aber aus meiner Sicht sehr gut geplanten Entwicklungsprozess. Ich bin überzeugt, dass wir die sportlichen Herausforderungen gemeinsam erfolgreich gemeistert und die Saison stabil gestaltet hätten. Ich respektiere die Entscheidung des Vereins und gehe meinen Weg mit voller Energie weiter. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre – insbesondere die Entwicklung einer Mannschaft über mehrere Spielzeiten hinweg – haben mich als Trainer weiter gefestigt. Holstein Kiel wird für mich immer ein besonderer Club bleiben, und ich wünsche der Mannschaft für die Restsaison und darüber hinaus viel Erfolg.“

Olaf Rebbe begründet die Entscheidung

Der sportliche Leiter Olaf Rebbe begründete in derselben Presseerklärung den Schritt mit folgenden Worten: „Nach eingehender Analyse der sportlichen Entwicklung und intensiven Gesprächen mit meinen Präsidiumskollegen und dem Aufsichtsrat sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine Veränderung braucht. Marcel hat mit seinem Team in den vergangenen viereinhalb Jahren KSV-Geschichte geschrieben. Seine Arbeit, sein Engagement und sein Umgang mit den Menschen war außergewöhnlich und wird immer in Erinnerung bleiben – gerade deshalb fällt uns dieser Schritt sehr schwer.“

Kommt ein „Feuerwehrmann“ oder Perspektive?

Jetzt, wo Holstein wieder gegen den Abstieg aus der Zweiten Liga spielt, zeigt sich: Die Sparpolitik und der Fokus auf einen schlanken Etat haben ihren Preis. Marcel Rapp ist nun derjenige, der gehen musste, doch die Verantwortung liegt nicht allein bei ihm. Die Vereinsführung muss sich fragen lassen, ob die Kaderplanung der letzten Jahre wirklich so sinnvoll war. Der kommende, neue Trainer steht jetzt vor der schwierigen Aufgabe, mit den gegebenen Mitteln, bzw. dem bestehenden Kader den Klassenerhalt zu schaffen. Eventuell wird es ja auch nur eine kurzfristige Lösung mit einem erfahrenden Trainer, der bis Saisonende als sogenannter „Feuerwehrmann“ agiert.

Training: Bremser heut – wer morgen?

Klar ist: In der kommenden Saison muss die Kaderplanung anders laufen. Man wird nicht mehr davon sprechen können, den „Kieler Weg“ zu gehen, wenn man die Identität der Mannschaft nicht wiederfindet. Es braucht wieder eine Strategie, die nicht nur auf Verkaufen und Sparen setzt, sondern darauf, eine konkurrenzfähige und charakterstarke Truppe aufzubauen. Nur so kann ein neuer Trainer wirklich langfristig Erfolg haben. Das heutige Training wird von Co-Trainer Dirk Bremser geleitet – mal sehen, wer dann morgen beim öffentlichen Training als Chefcoach auf dem Platz stehen wird.

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Artikel und Bild: Ole Jacobsen.